„Hey MitschülerInnen, wir sind Nasrin, Giulian und Janina. Heute wollen wir euch in einem kurzen Workshop über das Thema ‚Fake News’ aufklären und euch für das Aufdecken von Falschmeldungen sensibilisieren. Wählt dafür zunächst eine Person aus der Klasse, die von nun an die Anweisungen (blaue Kästen) vorliest. Eine weitere sollte die Infotexte vortragen. Vielen Dank!“🙏
Das wirst du heute lernen:
- Fake News - Was ist das?
- Mögliche Auswirkungen und Probleme von Fake News
- Hate Speech - Eine besondere Form von Fake News
- Welche Strafen drohen bei der Verbreitung von Fake News und Hate Speech?
- Handlungsmöglichkeiten - Falschmeldungen entlarven und kontern bei Hate Speech
„Richte dir gleich noch einen Notizzettel und einen Stift her und dann kann es losgehen... Viel Spaß!“😊
1. FAKE NEWS - Was ist das eigentlich?
Aufgabe: Begriffsklärung
„Schaue dir das nachfolgende Video an und verfasse anschließend eine Definition für den Begriff ‚Fake News‘ auf deinem Notizzettel!“
„So... Bevor es weiter geht, solltet ihr gemeinsam mit der Lehrkraft noch eure Definitionen besprechen. Anschließend könnt ihr hier noch einmal nachlesen und mehr über den Begriff erfahren.“
Fake News (Falschmeldungen) werden auch „Ente“ oder „hoax“ genannt. Das Wort „hoax“ kommt vom englischen Wort „hocus pocus“. Es geht also um Falschmeldungen in Zeitungen (auch Zeitungsente genannt) oder in Sozialen Netzwerken.
Mit dem Ziel, Leute zu narren, zu erschrecken, zu verunsichern, zu manipulieren oder Stimmungen gegen eine bestimmte Sache bzw. Bevölkerungsgruppe zu erzeugen, werden Fake News oft absichtlich in den Medien verbreitet z. B. in Form von ...
- harmlosen Scherzmeldungen
- Kettenbriefen/-nachrichten (z.B. auf WhatsApp)
- Horrormeldungen
- hetzerischen Artikeln
- absichtlicher Desinformation
- gefakten Fotos und Videos (immer häufiger mit KI erstellt und immer schwieriger von echten zu unterscheiden)
- und auch Hate Speech.
Durch das Surfen im Netz hinterlässt du aber auch sehr viele Spuren (z. B. durch dein Klickverhalten oder das Setzen von Likes), welche gespeichert und ausgewertet werden (Cookies). Dadurch können dir personalisierte Inhalte präsentiert werden. Das kann aber dazu führen, dass dir nur noch Inhalte angezeigt werden, die du wahrscheinlich sehen möchtest und die dir gefallen (Algorithmus). Dadurch schaust du immer weniger über den Tellerrand hinaus und lebst im Netz hauptsächlich in einer isolierten Blase, der sogenannten „filter bubble“.
Durch gekaufte Likes oder Kommentare in sozialen Netzwerken entsteht der falsche Eindruck, ein Thema sei besonders populär oder beliebt. Social Bots sind Roboter-Programme, die wie Menschen handeln, liken und kommentieren. Erhöht sich die Beliebtheit eines Beitrages durch Likes und Kommentare, die nicht von Menschen verfasst wurden, entsteht ein verfälschtes Meinungsbild.
Durch extreme Meinungen, kommt es zu vielen Kommentare. Der Algorithmus schließt daraus, dass das Thema wichtig ist. So wird eine große Reichweite erzielt und immer mehr Nutzern vorgeschlagen, welche wiederum darauf reagieren. Der Algorithmus unterscheidet dabei keine inhaltlich Aspekte. Politische Parteien des rechten und des linken Spektrums profitieren besonders davon und schaffen es so, viele Nutzer zu beeinflussen.
Jemand, der absichtlich provozierende Kommentare oder Beiträge in Sozialen Netzwerken verfasst, wird als „Troll“ bezeichnet. Dadurch will er Konflikte herbeiführen und negativ Stimmung machen.
„Gut, wir haben geklärt, was ‚Fake News’ sind und in welcher Form diese auftreten können. Im Erklärvideo werden zudem bereits Gründe für das Erstellen und Verbreiten von Falschmeldungen angesprochen. Aber welche Auswirkungen kann eine Verbreitung haben und welche Probleme sind damit verbunden?“
2. Mögliche Auswirkungen und Probleme von Fake News
„Gut gemacht! Sicherlich habt ihr einiges gefunden. Nachfolgend findet ihr noch einmal ein paar Aspekte zum Vergleich mit eurer Lösung.“
- Besonders in sozialen Netztwerken (z. B. TikTok, Instagram, Snapchat, X, Facebook etc.) werden Falschmeldungen oft ungeprüft geteilt und an viele Menschen weiterverbreitet.
- Fake News können das Leben einer betroffenen Einzelperson massiv beeinträchtigen (Hate Speech, Cybermobbing)
- Fake News können auch die (deutsche) Politik verändern,weil sie die Meinung von Bürgern beeinträchtigen und verändern können.
„Die folgende Statistik zeigt das Ergebnis einer Umfrage zu den Themengebieten von wahrgenommenen Fake News in Deutschland im Jahr 2017.“
„Schon irre... Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben zum Beispiel an, dass ihnen in den vergangenen zwölf Monaten Falschmeldungen zum Thema Flüchtlinge und Zuwanderung aufgefallen sind. Befragt wurden Personen ab 14 Jahren. Häufig steckt hinter der Verbreitung von Falschinformation auch eine Hetze gegen einzelne Personen oder Personengruppen zur gezielten Meinungsbildung: Diese besondere Form nennt man auch Hate Speech.“
3. HATE SPEECH - Eine besondere Form von Fake News
Von „Hate Speech“ ist die Rede, wenn Worte und/oder Bilder gezielt als Waffe einsetzt werden, um eine Person im Internet zu beleidigen bzw. zu diffamieren. Häufig wird auch zu Hass oder Gewalt gegen bestimmte Personen(-gruppen) aufgerufen.
„Wie das nachfolgende Beispiel zeigt, finden es einige aktuell witzig, Sticker mit antisemitischen Hintergründen auf Messengerdiensten zu teilen. Wir finden, das GEHT GAR NICHT und zudem ist es strafbar!“
„Für das Verbreiten von Fake News und Hate Speech im Netz gibt es nämlich zahlreiche Strafen, die alle im Strafgesetzbuch verankert sind. Einige haben wir für euch herausgegriffen. Lest sie sorgfältig durch und lasst sie auf euch wirken!“
4. Welche Strafen drohen bei der Verbreitung von Fake News und Hate Speech?
§ 86a - Verbotene Symbole
- In Deutschland ist es laut Strafgesetzbuch (StGB) verboten, Symbole (Zeichen, Schriftzüge, Bilder etc.) von verfassungswidrigen Organisationen zu benutzen.
- Die Verwendung dieser Symbole wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet.
„Du machst dich also strafbar, wenn du Abbildungen mit Hakenkreuzen, der nationalsozialistischen Fahne, vom SS-Totenkopf oder dem Hitlergruß verbreitest oder auf dem Handy hast. Online wie auch offline sind das verbotene Symbole! Und by the way - eigentlich ist das unterste Schublade - aber das weißt du selbst, wenn du einmal über die geschichtlichen Hintergründe nachdenkst.“
„Wenn wir schon bei der Verbreitung verbotener Bilder sind: Die Verbreitung von Gewaltdarstellungen §131 sowie pornografischer oder allgemein rassistischer Inhalte ist natürlich ebenfalls verboten. Aber schauen wir Mal weiter...“
§ 111 - Öffentlicher Aufruf zu Straftaten
- Das öffentliche Aufrufen zu Straftaten wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet.
- Beispiel: Auf Facebook hatte ein 19-Jähriger zu Gewalt gegen den vermeintlichen Mörder der elfjährigen Lena aufgerufen: Jetzt hat ihn das Amtsgericht Aurich wegen Aufrufs zur Selbstjustiz zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt. (Aus: www.süddeutsch.de).
§ 130 - Volksverhetzung
- Volksverhetzung gilt als Tatbestand, wenn gegen einzelne Menschen oder ganze Gruppen wegen ihrer Herkunft, der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit zu Hass und Gewalt aufgerufen wird.
- Volksverhetzung wird mit Geld- oder Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren geahndet.
- Beispiel: Youtube-Blogger "Julien" wurde zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung und 15.000 Euro Geldstrafe verurteilt. "Vergasen sollte man die Mistviecher" hatte er in einem knapp 800.000 Mal geklickten Video u.a. über die Lokführer*innen der Gewerkschaft GDL gesagt. (Aus: www.wn.de).
„Weiter stehen natürlich jegliche Formen von öffentlicher Beleidigung (§185-§187) und Beschimpfung (§166) unter Strafe. Außerdem ist für die Verbreitung von Tonaufnahmen (§201) und Bildern, auf denen einzelne Personen zu sehen sind (§ 201a „Recht am eigenen Bild“), das Einverständnis der jeweiligen Person notwendig.“
„Ihr seht, das sind ganz schön viele Strafen, die einem blühen können... Aber das ist auch gut so. Unter Umständen solltet ihr entweder jetzt gemeinsam und vertrauensvoll mit der Lehrkraft oder spätestens zuhause euer Smartphone auf mögliche strafrechtlich verfolgbare Inhalte hin prüfen und diese löschen. Schon allein der Besitz ist strafbar und könnte verfolgt werden. Leider erhält man immer Mal wieder Bilder mit derartigen Inhalten, weil andere sie teilen...“
4. Handlungsmöglichkeiten
a) Falschmeldungen entlarven
„Zu erkennen, ob ein Artikel ‚gefaket’ oder ‚echt’ ist, fällt gar nicht so leicht. Verschiedene Aspekte können auf einen Fake hinweisen, nämlich...“
- ... fehlende präzise Datumsangaben
- ... fehlende genaue Ortsangaben
- ... Fotos und Videos, die als vermeintlicher Beweis für etwas verwendet werden, in denen jedoch Ort, Zeit, oder Personen nicht eindeutig zu erkennen sind.
TIPP 1: Überprüfe Quellen und Inhalte!
- Passt die Quelle zum Inhalt?
- Vergleiche mit anderen Quellen: Wird die Nachricht auch über andere seriöse Medien verbreitet? (z. B. Tagesschau, Spiegel, FAZ, Süddeutsche usw.).
- Prüfe, ob es sich um einen „Fake-Account“ handelt! Wie lange ist ein bestimmter User bereits bei Twitter oder Facebook aktiv und was hat er bisher geschrieben?
„Welcher der nachfolgend gezeigten Twitter-Accounts ist ‚echt‘? Was glaubt ihr?“
„Beispiel 1 zeigt einen „richtigen“ Account mit wahren Angaben. Das ist am blauen Verifizierungssymbol (neben dem Usernamen) zu erkennen. In Beispiel 2 fehlt dieses Symbol.“
TiPP 2: Kenne die Methoden zur Erzeugung von Fake News
„Das Verändern von Bildern ist eine Methode, um Fake zu erzeugen. Was glaubt ihr , ist das folgende Bild von Greta im Zug ein Fake oder nicht?“
„Das erste Bild von Greta wurde gefaket. Am 22 Januar 2019 postete Greta das zweite, wie sie im Zug sitzt und ganz gemütlich isst, Bild auf Twitter.“
„Eine noch einfachere Möglichkeit als die Bearbeitung eines Bildes ist es, dieses mit einem falschen, möglichst reißerischen Titel zu versehen. Schaut euch einmal das nachfolgende Beispiel an... Erkennt ihr den Entstehungsort?“
„Keine Sorge, die Schule hat natürlich nicht gebrannt😉 Die Aufnahme entstand ursprünglich in Verbindung mit einer Lehrerfortbildung zum Thema ‚Brandschutz’. Aber seht selbst...“
„Eine weitere Möglichkeit stellt das Kürzen von Videos dar. Dabei werden bestimmte Informationen weggelassen, um so die ursprüngliche Aussage zu verändern. Seht selbst im nachfolgenden Video und überlegt ... Das ist das echte Video aus Hongkong. Es dauert normalerweise 57 Sekunden.“
AUFGABE: Was muss man in diesem Video wegschneiden, damit es so aussieht als würde es in Deutschland spielen?
„Wenn man es auf 17 Sekunden kürzt und chinesische Schriftzeichen weglässt, dann hat man ein „Fake-Video“ zum Titel „Ausländer bewerfen Krankenwagen in Deutschland.“
„Bilder und Videos werden also aus dem ursprünglichen Kontext gerissen und in neue, falsche Zusammenhänge gebracht. Aber wie kann ich das nun überprüfen und nachvollziehen?!?“🤷🏻♀️
TIPP 3: Bilder rückwärts suchen
„Man kann beliebige Bilder bei Google hochladen (z. B. am Computer unter images.google.de), indem man auf das Kamera-Symbol (rot eingekreist) klickt...“
„... oder auf dem Handy im Chrome-Browser...“
TIPP 4: Die Geschichte auf vertrauenswürdigen Seiten suchen.
Zum Beispiel:
- Correctiv.org, factcheck.de, Mimikama.org, dpa.com -> Das sind Seiten, die sich darauf spezialisiert haben, Fake News zu recherchieren.
- Oder auch unter BR24, Faktenfuchs, ARD Tagesschau-Faktenfinder usw.
b) Was tun bei Hate Speech?
„Wenn du selbst von Hate Speech betroffen bist, solltest du dich einem Erwachsenen anvertrauen. Es gibt verschiedene Strategien, die helfen können. Seht selbst...“
„Auch auf der Seite von www.no-hate-speech.de findet ihr Hilfe...“
„Außerdem findest du hier noch ein paar Beispiele für ‚Konter-Posts‘!“😉
„So, damit sind wir für heute am Ende. Wir hoffen, dass euch so einiges aus diesem Kurs in Erinnerung bleibt. Falls ihr noch Zeit habt, könnt ihr euer Wissen im nachfolgenden Klicksafe-Quiz überprüfen. Zum Schluss haben wir noch eine Bitte. Nehmt euren Notizzettel mit nach Hause und sprecht auch mit euren Eltern und Freunden über das Thema. Ihr seid jetzt die Fake-News-Experten, lasst auch andere von eurem Wissen profitieren! Bis zum nächsten Mal! Eure Nasrin, Janina und euer Giulian!“
Weiterführendes Material
Dieser Medienkurs ist Teil einer Reihe von Medienworkshops für die unterschiedlichen Jahrgangsstufen der Realschule. Er ist in Zusammenarbeit mit der Lehrkraft Corinna Mosch (MiB) und den SchülerInnen Nasrin Akbari, Janina Hofmann und Giulian Leitl im Schuljahr 2019/2020 an der Johann-Andreas-Schmeller-Realschule Ismaning entstanden.
Quellen:
- https://no-hate-speech.de/de/wissen/ (Aufruf 10.01.2020).
- https://www.sueddeutsche.de/panorama/mordfall-in-emden-zwei-wochen-jugendarrest-fuer-aufruf-zur-selbstjustiz-1.1693803 (Aufruf am 12.01.2020).
- https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Steinfurt/Westerkappeln/2016/02/2271016-Youtube-Star-Julien-verurteilt-Volksverhetzung-statt-Videokunst (Aufruf am 12.01.2020).
- Tack, Stefanie: Fakt oder Fake? Wie man Falschmeldungen im Internet entlarven kann. 2. Auflage Januar 2020.
- Hate Speech - Hass im Netz: Informationen für Fachkräfte und Eltern. Landesanstalt für Medien NRW, Aktion Jugendschutz (AJS) NRW sowie klicksafe (Hrsg.).
Danksagung:
Erstellt mit Bildern von Mr Cup / Fabien Barral - "A stack of old newspapers" • memyselfaneye - "fake news hoax press" • zibik - "man woman black" • geralt - "clause paragraph book"