Maja und Richard Vogl: Zwiefacher
Auch von mir ein herzliches Grüß Gott, ich werde jetzt etwa 15 Minuten mit Ihnen gemeinsam ein bisschen durch die Kunst von Richard und Maja wandern, oder besser gesagt: tanzen. „Zwiefacher“ heißt die Ausstellung ja, ein Begriff aus der Musik. Ein Paartanz. Aus Bayern. Und so bedeutend, dass er es auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft hat.
Das besondere und namensgebende Merkmal des Zwiefachen ist der Taktwechsel zwischen dem 3/4-Takt – also einem Walzer – und dem 2/4-Takt – getanzt als Polka, Dreher oder Galopp. Möglich wird dieser Taktwechsel durch den gemeinsamen Nenner.
Ich weiß nicht, ob Maja und Richard Vogl Zwiefachen miteinander tanzen, aber sie ahnen es vielleicht schon: Es geht um die Metapher. Einer der großen gemeinsamen Nenner zwischen Maja und Richard ist die Kunst. Richard Vogl hat – geboren in Furth im Wald – ab 1973 zunächst bei Heinz Butz, später bei Rudi Tröger an der Münchner Kunstakademie studiert. Maja Vogl – aus Kempten – machte zunächst eine Ausbildung zur Handweberin in Bayreuth, studierte ab 1978 dann ebenfalls bei Rudi Tröger. Da waren sie längst ein Paar, die beiden kennen sich seit ihrer Jugend.
Während Richard Vogl der Malerei und der Zeichnung treu blieb, wechselte Maja Vogl nach dem Kunststudium zurück zur Weberei. Auf den ersten Blick machen die beiden heute also sehr unterschiedliche Kunst, Richard bewegt sich in der freien, Maja in der angewandten Kunst. Im Kern aber drehen sich ihre Arbeiten um ganz ähnliche Dinge. Zunächst mal arbeiten sie beide mit Farbe.
Das ist unschwer zu erkennen: Im Untergeschoss mit Majas Arbeiten ist es, als würde man in ein regelrechtes „Farbbad“ eintauchen. Hier oben im Eingangsbereich noch die zarte Begrüßung mit Schals in Birkengrün und Safrangelb, unten dann: leuchtendes Pink und Orange, Violett und Azur und Tiefgrün. Prächtig wie Paradiesvögel erstrahlen die Stoffe und edel schimmernd wie Kristalle. Die Schals sind nie in einer einzigen Farbe gewebt, das wäre langweilig und man hätte die Stoffe genauso gut nachträglich färben können. Stattdessen kommen immer mehrere Farben zusammen. Innerhalb der Flächen herrscht so stets eine leichte Bewegung, eine vibrierende Spannung oder ein „In-sich-Reiben“ wie Maja Vogl es nennt. Es sind die Farbkombinationen, die die Künstlerin interessieren. Wie interagieren Farben miteinander? Wie beeinflussen sie sich gegenseitig? Eine einzelne Farbe mag eine Stimmung abbilden, im Zusammenspiel mehrerer Farben aber entsteht ein ganzer Charakter. Farben entstehen in unserem Kopf. Die menschliche Farbwahrnehmung ist eine Empfindung, die – wortwörtlich – im Auge des Betrachters liegt. Wissenschaftler gehen von 16 Millionen wahrnehmbaren Farbnuancen aus. Aus diesen 16 Millionen wählt Maja sehr bewusst aus, welche Töne sie miteinander kombiniert, ihre Garne lässt sie dazu nach eigenen Wünschen einfärben. In letzter Zeit beschäftigt sie sich vor allem mit dem Farbverlauf. Ab wann wird Pink zu Orange? Wieviel Gelb braucht es? Wieviel Rot? Ist da überhaupt Rot drin? Es gibt einen lehmfarbenen Schal, in dem ist kein einziger Faden braun.
Wie schon erwähnt hat Maja Vogl nach ihrer Ausbildung zur Weberin Malerei studiert. Das Studium sei extrem wichtig für sie gewesen, sagt sie. Dort habe sie Sehen gelernt und ein Gespür für Proportionen entwickelt. Trotzdem entschied sie sich letztlich gegen die Malerei und für das Weben. „Die Farbe ist mein Hauptanliegen. Und das Weben ist das Medium, in dem ich meine Farbvorstellungen am besten verwirklichen kann“, sagt sie. Außerdem wollte sie etwas machen, das man auch benutzen kann. In Maja Vogls Vorstellung sind Schals Bilder, die man sich umhängen kann, Farbfeldmalerei to go gewissermaßen.
Für Farbe braucht es Licht. Hier kommt das Material ins Spiel: Maja Vogl arbeitet mit Seide. Seide ist eine Endlosfaser aus den Kokons der Seidenspinnerraupe. Sie lässt sich fantastisch verarbeiten, ihre Strahlkraft ist unübertroffen. Seide reflektiert das Licht nicht nur, sie hat auch einen „inneren Glanz“, wie Maja Vogl es nennt. Sie verwendet Schappeseide oder manchmal auch die noch feinere Haspelseide (das sind die Arbeiten in Pink und Violett). Die Oberflächen ihrer Schals sind so glatt und gleichmäßig, dass man den einzelnen Faden kaum noch erkennen kann, zudem sind die Schals in der sehr regelmäßigen Leinwand-Bindung gewebt. Nichts soll von der Farbe als dem eigentlichen Ausdrucksmedium ablenken. Das Stoffliche wird geradezu aufgelöst – was bleibt, ist die reine Farbe.
Gewebt wird per Hand auf einem alten Webstuhl bayerischen bzw. skandinavischen Typs, zwei mal drei Meter misst die kastenförmige Konstruktion. Möglich ist das nur, weil Maja und Richard Vogl in einem alten Schulhaus in Bernhardswald bei Regensburg leben, also große Räume zur Verfügung haben. Wie eine Organistin sitzt Maja Vogl an diesem Webstuhl und betätigt gleichmäßig und kraftvoll die Pedale mit den Füßen, das Schiffchen schießt sie per Hand hin und her. Millimeter für Millimeter wächst so der Stoff voran.
Die fertigen Schals strahlen eine Leichtigkeit aus, die an Schmetterlinge denken lässt, wie sie von Blüte zu Blüte schweben. Der Weg dorthin aber ist hart. Allein die Kettfäden in die Litzen zu fädeln, dauert mehrere Tage und verlangt ein Höchstmaß an Konzentration, Kraft und helfende Mitmenschen. Um den Webstuhl einzurichten, braucht es drei Personen! Dann erst beginnt das eigentliche, langwierige Weben. Aber Maja Vogl mag die Vorstellung, „dass in den Arbeiten ein ganzer Zeitraum mit drinsteckt. Dass man nicht immer nur schaut, dass alles schnell, schnell geht, sondern dass man auch mal Zeit investiert.“
Da Seide sehr leicht rutscht, webt Maja Vogl sehr dicht: Auf einem Zentimeter Stoff tummeln sich bis zu 26 Schussfäden. Das macht 12 km Garn in einem einzigen Schal. Trotzdem sind die Schals weich, aber eben auch extrem stabil. Den einzelnen Faden kann man problemlos mit den Fingern zerreißen, das fertige Gewebe aber ist absolut reißfest, nur Schere oder Feuer können ihm etwas anhaben. Daher kann man die Schals auch problemlos knüllen, waschen oder bügeln – und zwar am besten richtig heiß und mit viel Dampf. Bei Nichtbenutzung kann man die Schals auch einfach als Bild aufhängen. Echte Kunstwerke für die Wand sind auch Maja Vogls „Wicklungen“. Bei dieser Technik werden die Fäden nicht verwebt, sondern um eine kleine Platte herumgewickelt. Die Technik kennt Maja Vogl aus der Ausbildung, damals sollte sie auf diese Weise Karomuster entwickeln. Dann erhielt Richard Vogl ein Stipendium in Schottland, Maja Vogl durfte ihn begleiten. Es war sehr schön in Schottland, aber Maja Vogl hat ihre Garne irgendwann so sehr vermisst, dass sie sich von den daheimgebliebenen Kindern ein Notfall-Care-Paket schicken ließ: einfach ein paar Spulen Garn in verschiedenen Farben. Weil kein Webstuhl vor Ort war, fing sie an, wieder mit der alten Technik aus dem Studium zu experimentieren und wickelte schließlich die schottische Landschaft als textile Farbblöcke auf. Die Werkreihe „Wicklungen“ war geboren.
Maja Vogl geht es um die Feinheiten der Wahrnehmung. Mit welcher Raffinesse sie die Farben ihrer Schals komponiert, erkennt man besonders gut ausgerechnet in ihren Schwarzweißarbeiten. Ursprünglich hat sie damit angefangen, um die Augen nach all den intensiven Farben, auf die sie beim Weben ja immer drauf schaut, mal „runterzuholen“. Zur Beruhigung also, als Pause. Aber natürlich hat sie eben nicht nur schwarze und weiße Fäden irgendwie miteinander kombiniert, sondern gleich wieder ein kleines Forschungsprojekt daraus gemacht: Welchen Unterschied macht es, ob die Kette oder der Schuss weiß oder schwarz ist? Die typische „Vibration“ in ihren Arbeiten, die Lebendigkeit erreicht sie durch Beimischung von Dunkelbraun, Dunkelblau oder auch mal Bordeaux. Und Weiß ist meistens auch nicht nur weiß, sondern mit cremefarbenen Garnen gemischt.
Ich weiß nicht, ob es Ihnen aufgefallen ist, aber viele der Begriffe, die ich benutzt habe, stammen aus der Musik: Vibration, Pause, komponieren, Farbklang und Farbverlauf. Am Ende geht es Maja Vogl um Rhythmus und Lebendigkeit, sie erzeugt mit ihren Farben Schwingungen, die sich auf den Betrachter übertragen. Natürlich ist das subjektiv, aber wenn ich diese Schals sehe, macht mein Herz einen kleinen Hüpfer.
Damit sind wir bei unserem Zwiefachen beim Taktwechsel angekommen – und bei den Ölbildern und Pastellen von Richard Vogl. Auch bei ihm dreht sich letztlich alles um Harmonie und Spannung, um Pausen in Form von Leere, um das richtige Maß der Dinge, um Proportionen, Abstände, Bezüge. Zur Vorbereitung dieser Rede habe ich die beiden in Bernhardswald besucht. Der Boden in Richards Atelier war übersät mit Skizzen. Ihm war es etwas unangenehm, ich fand es super: Es sah wirklich aus wie in einem kitschigen Künstlerfilm. Dutzende, ich würde sagen mehr als 100 Kohleskizzen von ein und demselben Motiv: eine Hand mit einem Vogel. Solche Skizzen macht Richard Vogl als Lockerungsübung zu Beginn einer Mal-Session oder auch um Probleme zu lösen, wenn er bei einem Ölbild mit einem bestimmten Motiv nicht weiterkommt. Manchmal hilft es einfach, den Kopf auszuschalten und „die Hand denken“ zu lassen. Einige, sehr wenige, sehr ausgewählte Skizzen werden für gut befunden, ganz oben sehen Sie eine kleine Wand voll davon.
Er macht also ständig Skizzen, aber: Er macht nie Vorstudien zu seinen Gemälden! Ohne Vorstellungen von einem fertigen Bild malt er einfach drauflos. Die ersten Pinselstriche ergeben sich aus den Maßen der Leinwand: Wie hoch ist ein Bild, wie breit, wie ist das Verhältnis zueinander? Die ersten Farbkleckse und Linien auf der Leinwand sind im Grunde eine Reaktion auf die Proportionen der Leinwand: eine erste Beziehung entsteht. Und so geht es weiter, Strich um Strich, Farbe um Farbe ergibt eines das andere. Gegenstände und Figuren werden gemalt und wieder übermalt, sie verschwinden oder tauchen woanders wieder auf. „Ein Bild zu machen, von dem ich vorher weiß, wie es ausschauen soll, das würde mich total langweilen“, sagt Richard Vogl. Beim ersten Blick auf ein Bild nimmt man als Betrachter alles synchron wahr, der Weg zu diesem Bild aber ist ein langer Prozess des Machens, eine Annäherung. Und die kann eine ganz schöne Schinderei sein. Doch es ist dieses Suchen, das Richard Vogl interessiert, das Dranbleiben, Hoffen, dass etwas antwortet, dass ihm etwas entgegenkommt, dass ein Dialog, ein Austausch mit dem Bild entsteht, dass das Bild zum Gegenüber wird. Das ist der Moment, in dem das Bild fertig ist.
Das alles hört sich für Sie jetzt vermutlich ziemlich abstrakt an: Proportionen, Pinselstriche, Farbkleckse… Warum sagt die denn nicht endlich mal, was auf den Bildern drauf ist? Das ist ja nicht so schwer zu erkennen: Menschen zum Beispiel, mal männlich, mal weiblich, oft mit halblangen Haaren. Dazu Vögel, Blumen, Früchte, das alles meistens eher unbestimmt: Die Menschen haben kein Alter und keine Berufe, die Vögel sind Standardvögel, vermutlich Amseln, die Blumen dürften Tulpen sein, die Früchte sind immer irgendwie rundlich und je nach Farbe Äpfel, Orangen oder Tomaten. Denn – und jetzt müssen die Interpretationshelden und Sinnsucher unter Ihnen ganz stark sein: Was genau Richard da malt ist – fast – egal. Die Motive bedeuten nichts. Okay, der Vogl hat sich wegen der Namensverwandtschaft in den Bildern eingenistet, aber er ist kein Selbstporträt des Künstlers. Einige zur Pyramide gestapelte, rundliche orangefarbene Formen sind der Logik nach Orangen. Für Richard Vogl aber ist es in erster Linie eine Pyramide aus rundlichen orangen Formen. Augen, Nasen, Schnäbel sind Richtungsanzeiger, Hände Verlängerungen oder verdickte Basis mit Haltefunktion. Manche Figuren halten etwas längliches in der Hand: Ob das nun ein Bleistift oder ein Pinsel ist, ist völlig irrelevant. Vielleicht ist es auch ein Fieberthermometer oder Schaschlikspieß. Eine Stricknadel oder ein Zauberstab. Natürlich macht es Spaß, sich da hineinzusehen. Warum wird da einem wie von Geisterhand mit einer Blume auf den Kopf getippt? Warum dreht sich eine Figur weg von der anderen? Warum ist die Frau im Eingang so traurig? Dass es Richard Vogl egal ist, was genau er da malt, das kann wiederum Ihnen als Betrachter völlig egal sein. Selbstverständlich sind Sie völlig frei, sich ihre eigenen Gedanken zum Geschehen auf der Leinwand zu machen. Menschen lieben Geschichten. Außerdem haben wir offenbar ein angeborenes Bedürfnis, uns zu erklären was auf den Bildern geschieht. Vielleicht ist das irgendein steinzeitlicher Schutzmechanismus, um sicherzustellen, dass nicht irgendwo Gefahr lauert. Richard Vogl aber geht es ums Bild. Würde er Geschichten erzählen wollen, wäre er Schriftsteller geworden, aber er ist durch und durch Maler. Wenn das Bild eine hohe Form verlangt, macht er aus dem amselähnlichen Normvogel eben einen Reiher. Er hätte auch ein Erdmännchen malen können oder eine Leiter – was zählt, ist die Form und ihre Wirkung innerhalb der Bildfläche, die Farbkorrespondenzen und Blickrichtungen, die Beziehungsgeflechte. Malen heißt bei Richard Vogl Anordnen, Strukturieren und Organisieren einer Fläche. Die Gegenstände und Figuren sind dabei Hilfsmittel – irgendetwas muss er ja malen. Mit geometrischen Formen, mit reiner Abstraktion, würde es nicht funktionieren.
Zum Beispiel die „Visitazione“, die „Heimsuchung“ im Treppenaufgang: Zu sehen sind vier Frauen, darunter die Hauptpersonen Maria und Elisabeth, ihre Körper einander zugewandt, ihre Köpfe aber drehen sie vom Betrachter weg zu den Nebenfiguren, die rücken dadurch ins Zentrum des Interesses. Sie sind es, die den Betrachter direkt anschauen – ein verwirrendes, geheimnisvolles Bild. Man erkennt Anklänge an die „Visitazione“ von Jacopo da Pontormo, ein verrücktes Bild, das unter modernen Künstlern eine eigene Karriere gemacht hat, weil eben auch Pontormo die Nebenfiguren so vollkommen ungewohnt in Szene gesetzt hat.
Die Auseinandersetzung mit der Kunst früherer Epochen ist für Richard Vogl eine Grundvoraussetzung des Künstlerdaseins. Er geht viel in Museen, hat eine große Bibliothek an Kunstbüchern. Manchen Malern der Kunstgeschichte fühlt er sich besonders nahe, Velázquez etwa, Rembrandt auch, Camille Corot, Giorgio Morandi, Philipp Guston.
Als Maler arbeitet man nicht mit Begriffen, sondern mit bildnerischen Vorstellungen. Malen ist eine Form der Kommunikation, aber sie funktioniert nicht über Wörter. Um Malerei zu verstehen, muss man hinsehen. Meine Rede hier mit ihren bis hierhin 2.193 Wörter ist im Grunde totaler Quatsch. Es ist die Übertragung von visuellem Ausdruck in Wörter. Eine Übersetzung, eine andere Sprache. Viel besser ist es, direkt mit den Bildern ins Zwiegespräch zu gehen in ihrer Sprache, im Original sozusagen. Ein Beispiel: Ganz oben hängt ein Bild in dunklem Grün. Vom unteren Bildrand aus wächst eine Hand mit einer Blume in die Bildmitte. Von rechts ragt ein schmaler Zweig ins Bild, darauf ein Vogel. Der Rücken des Vogels, die Schwanzfedern, die Bauchunterseite und der Schnabel: Alles verläuft nahezu parallel in Richtung der Blüte im Zentrum des Bildes. „Würdegern“ heißt das Bild. Es geht aber nicht um Ornithologie und auch nicht um Botanik und schon gar nicht um den Menschen, der an der Hand noch mit dran sein muss: Es geht um die Beziehung zwischen der Blume und dem Vogel. Um die Anziehungskraft und das Zögern, um die deutlich angelegte, aber zurückgehaltene Bewegung. Um die geradezu elektrisch aufgeladene Spannung zwischen den Formen. Und das alles vor diesem tiefen, dunklen Grün. Ich könnte es Flaschengrün nennen, aber dann denken Sie womöglich an Ihren Müll, den Sie noch zum Glascontainer fahren müssen. Sage ich Tannen- oder Moosgrün, denken Sie, dass es im Wald jetzt viel schöner und kühler wäre als hier in der Farbsauna. Und an was Sie denken, wenn ich das alte Polizeiuniformgrün ins Spiel bringe, will ich lieber nicht wissen. Tatsache ist: Benennen lenkt ab, Begriffe lenken ab. Sie schaden eher, als dass sie uns der Kunst von Richard Vogl näherbringen.
Deshalb haben die meisten Bilder von Richard Vogl auch keine Titel. Weil es im Umgang mit Kunst praktischer ist, doch welche zu haben, einfach um die Bilder auseinanderzuhalten, gibt es einige – wunderschöne! – Ausnahmen: „Aufwartung“ etwa, „Vogel als Prophet“, „Tritonus“ oder „Herzwolke“. Aber eigentlich ist das alles schon viel zu erzählerisch. Titel legen etwas fest oder weisen gedanklich zumindest in eine bestimmte Richtung, die Betrachter werden immer irgendwie gelenkt und letztlich in ihrer Freiheit selbst zu sehen, eingeschränkt. Bilder zu beschreiben, mit Wörtern und Begriffen, hat natürlich trotzdem seine Berechtigung: Es dient der Information und kann im besten Fall die Augen öffnen. Außerdem ist es toll, miteinander über Kunst zu sprechen. Aber vorher müssen Sie bitte unbedingt erst einmal hinschauen. Trauen Sie nicht den Worten einer Journalistin – die quatscht viel, wenn man sie lässt. Trauen Sie ihren eigenen Augen!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Julie Metzdorf
Mein herzlicher Dank geht an Julie Metzdorf für ihren einfühlsamen Text und an Paulo für dessen Präsentation. Es ist mir eine große Freude die wunderbaren Werke von Maja und Richard Vogl zeigen zu dürfen. Die Ausstellung ist von 20. Juni 2026 bis 1. August zu den Öffnungszeiten der Galerie zu besuchen. Fritz Dettenhofer
galerie 13 - fritz dettenhofer