Gemeinsam digital erfolgreich #9 Redaktionsteam digitale Bildung der Regierung der Oberpfalz

Liebe Leserinnen und Leser,

„Googelt das mal!“ war gestern – heute suchen unsere Schülerinnen und Schüler ihre Antworten oft lieber auf Social Media oder mit KI-Sprachmodellen. Diese Verschiebung zeigt: In einer Welt, in der Informationen schneller und visueller werden, reicht reine Anwendungskompetenz nicht mehr aus. Das Herzstück zeitgemäßer Bildung ist heute eine fundierte Recherchekompetenz, die auf einer besonderen inneren Einstellung fußt: der Haltung des selbst initiierten Zweifelns. Es geht darum, nicht erst bei offensichtlichen Fehlern stutzig zu werden, sondern von Beginn an eine aktive Prüfinstanz im Kopf mitlaufen zu lassen. Ob klassische Suche oder KI-Dialog: Die Fähigkeit, Informationen gezielt zu erschließen, Quellen kritisch zu hinterfragen und Wahrheit von „bequem konsumierbaren“ Inhalten zu unterscheiden, ist das Fundament unserer Demokratiefähigkeit. Wir müssen den Weg ebnen vom passiven Konsum über die kompetente Recherche hin zum aktiven Gestalten. Wir blicken darauf, wie sich Bildung verändern muss, damit der Mensch auch im Zeitalter von KI im Fahrersitz bleibt („AI Leadership“):

  • Blitzlicht: Mit Köpfchen statt Copy-Paste: Wie nutzen wir KI als Recherche-Partner und nicht als bloßen „Vorsager“ ? Unsere neuen Grafiken visualisieren konkrete Szenarien für den Unterricht: Vom Strukturieren von Ideen bis zum Optimieren eigener Texte durch KI-Feedback.
  • Social Media vs. Suchmaschine: Ein spannendes Unterrichtsexperiment zur „Infojagd“ zeigt überraschende Ergebnisse. Warum gewinnt oft die „Bequemlichkeit des Konsums“ gegen die Faktenprüfung – und wie steuern wir gegen, wenn „einfach“ mit „wahr“ verwechselt wird?
  • Forschungsprojekt „Wassertiere“: Schon in der Grundschule (Klasse 3/4) lässt sich KI sinnvoll einbinden. Wir zeigen am Beispiel einer HSU-Einheit, wie Kinder lernen, KI-Antworten kritisch mit Fachbüchern zu vergleichen – etwa wenn die KI mehr über die Libelle weiß, das Buch aber die Federn der Ente besser erklärt.
  • Praxis-Check: Drei Perspektiven auf KI – Wie zwei Schulleitungen und ein Seminarrektor KI zur Entlastung bei Routineaufgaben, für neue Hausaufgaben-Konzepte und in der Lehrkräftebildung nutzen (inkl. Fokus auf Fehleranfälligkeit und Zeitgewinn für das Zwischenmenschliche).
  • Doch nicht nur die Lernenden sind gefragt. Wir laden Sie herzlich zum „Selbsttest KI“ ein: Ein Prompt, zwei Modelle. Testen Sie selbst, wie unterschiedlich Chatbots auf dieselbe Frage reagieren und schärfen Sie Ihren Blick für die Nuancen der Algorithmen.
  • Abgerundet wird die Ausgabe durch einen Blick auf das KI-Kompetenzmodell von Joscha Falck und Kollegen, das diese Praxisbeispiele in einen Rahmen aus Verstehen, Reflektieren und Mitgestalten einbettet.

Viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Diskutieren! Ihr Team von „Gemeinsam digital erfolgreich“

Blitzlicht

Unterrichtsbeispiele/ Anwendungsszenarien

1. Wie sind Wassertiere an ihren Lebensraum angepasst?

HSU 3./4.Klasse

2. Selbsttest : Vergleich von 2 KI-Sprachmodellen

Kunst, 3./4. Jahrgangsstufe

3. Social Media als Suchmaschine? - Ein Unterrichtsexperiment zur Infojagd

„Googelt das mal!“ – Ein Satz, der im Klassenzimmer immer öfter ins Leere läuft. Die Realität in den Pausenhöfen zeigt: Die klassische Suchmaschine verliert an Boden. Wer wissen will, wie man eine Avocado pflanzt oder was ein Algorithmus ist, fragt heute nicht mehr Google, sondern wischt sich durch den TikTok-Feed. Unsere Kollegin hat diesen Trend zum Anlass für ein spannendes Unterrichtsexperiment gemacht: TikTok vs. Google vs. Wikipedia vs. KI.

Das Experiment: Die „Infojagd mit System“

Schüler:innen erhielten den Auftrag, in Gruppen einfache Fragestellungen mit jeweils nur einer Quelle zu recherchieren:

  1. Praktisch: „Wie pflanze ich eine Avocado?“
  2. Theoretisch: „Was ist ein Algorithmus?“

Die Ergebnisse wurden anschließend in einem 30-sekündigen Elevator Pitch präsentiert. Bewertet wurden dabei nicht nur der Inhalt, sondern auch die Infoqualität, der Datenschutz und das Vertrauen in die Quelle.

Das überraschende Ergebnis

In mehreren Durchgängen gab es einen klaren Sieger: TikTok. Während Wikipedia oft als zu trocken oder komplex empfunden wurde, punktete die Videoplattform durch:

  • Extreme Reduktion: Komplexe Themen werden auf das Wesentliche heruntergebrochen.
  • Visuelle Aufbereitung: Die Inhalte bleiben durch die Bildsprache besser im Gedächtnis.
  • Geschwindigkeit: Informationen sind ohne langes Lesen sofort konsumierbar.

Die pädagogische Herausforderung

Das Experiment macht eines deutlich: Nicht Tiefe entscheidet über Überzeugung, sondern Verständlichkeit. Das birgt Gefahren. Die Schüler gaben zwar an, dass Quellen oft unklar sind und Einordnungen fehlen, dennoch siegte die Bequemlichkeit des Konsums. Die Anfälligkeit für gezielte Einflussnahme und Werbung ist bei dieser „Fast-Food-Recherche“ enorm hoch.

Impuls für die Unterrichtswoche

Wie gehen wir damit um, dass „einfach“ oft mit „glaubwürdig“ gleichgesetzt wird? Wir müssen Medienbildung dort ansetzen, wo die Schüler stehen: beim Hinterfragen der Wirkung von Algorithmen und der schnellen visuellen Information.

4. Meinungsbilder aus Schulleitung und Seminar

Fortbildungsangebote

RLFB - eSession: Die 3 staatlichen KI-Angebote effektiv im Unterricht nutzen

In dieser praxisorientierten Fortbildung lernen die Teilnehmenden Einsatzmöglichkeiten der drei staatlichen KI-Angebote für Schulen in Bayern kennen: ByLKI, die KI-Funktionen in der Lernplattform der ByCS sowie den Chatbot Telli. Die Lehrkräfte erhalten einen strukturierten Überblick über Funktionen, Einsatzmöglichkeiten und datenschutzkonforme Nutzung im Unterricht. Ziel ist es, Sicherheit im Umgang mit den Tools zu gewinnen und konkrete Anwendungsszenarien für verschiedene Fächer und Jahrgangsstufen zu entwickeln.

Datum: Mittwoch, 15.04.2026 Uhrzeit: 14:30-15:30 Anmeldung über FIBS: https://fibs.alp.dillingen.de/lehrgangssuche?container_id=432926

(Schilf-)Angebote aus dem Katalog des Experten- und Referentennetzwerks Digitale Bildung der Oberpfalz für Ihre Schule

Wie KI die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen verändert

Referent: Sebastian Bäumler

Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Alltags – auch in Kinderhand. Sprachassistenten, Filter, Chatbots und Deepfakes prägen, was Kinder sehen, sagen und glauben. Doch wie können wir als Lehrkräfte Orientierung geben, wenn Algorithmen Meinung und Wirklichkeitsverständnis formen? Diese Fortbildung öffnet den Blick für die (un-)sichtbaren Einflüsse von KI auf Kommunikation, Kreativität und Identität von Kindern. Anhand lebendiger Beispiele (von TikTok-Memes bis „AI Slop“) beleuchten wir Chancen und Risiken und entwickeln gemeinsam praxisnahe Ansätze für die schulische Medienerziehung. 🎯 Ziele:​

  • KI-Phänomene aus der Kinderperspektive verstehen
  • Medienkompetenz gezielt fördern
  • Ideen für den Unterricht mitnehmen, die Kopf, Herz und Haltung ansprechen

Chatbots programmieren: Eigene Dialog-Helfer für die Grundschule entwickeln (am Beispiel FobiZZ)

Referentin: Victoria Edl

Diese Fortbildung richtet sich an Grundschullehrkräfte, die generative KI gezielt zur Förderung der Schülerproduktivität einsetzen möchten. Im Mittelpunkt steht die Konfiguration eigener KI-Assistenten, die Lernende bei kreativen und komplexen Aufgaben – wie der Erstellung von Plakaten oder der Produktion von Texten – unterstützen. Anhand praxisnaher Tipps und Beispiele wird vermittelt, wie der Einsatz generativer KI sinnvoll und effektiv in den Unterricht integriert werden kann.

KLEINE EXTRAS GEFÄLLIG?

KI Kompetenzmodell

von Susanne Alles, Joscha Falck, Manuel Flick und Regina Schulz

🧠 Worum geht es?

Die Bedeutung von KI-Kompetenzen im Bildungskontext wächst rasant – nicht nur technisch, sondern auch politisch und ethisch. Das zeigt u.a. das Beispiel des chinesischen Modells DeepSeek.

📌 Zentrale Aussagen:

1. KI ist nicht neutral

KI-Modelle wie DeepSeek zeigen, dass Technologien immer in einem politischen und ethischen Kontext stehen.

Daher ist es wichtig, kritisch-reflexive Kompetenzen im Umgang mit KI zu fördern.

2. AI-Leadership als Zielkompetenz

Nach Doris Weßels: „AI-Leadership“ = werteorientierte Beurteilungs-, Gestaltungs- und Steuerungskompetenz im Umgang mit KI.

Diese soll Lehrkräfte und Lernende dazu befähigen, kompetent, verantwortlich und gestaltend mit KI umzugehen.

🧩 Das KI-Kompetenzmodell (Kreislaufmodell mit 4 Feldern)

Alle vier Felder sind iterativ verbunden.

Das Modell ist offen lizenziert (OER) und anpassbar.

b)Passende Selbstlernkurse der ALP:

Redaktionsteam digitale Bildung der Regierung der Oberpfalz:

J. Jentsch, M. Tobollik, D. Speckner, J. Müller, F. Miltschitzky, S. Fisch, SG 40.1 Regierung der Oberpfalz