Vom Sandkorn zur Wüstenperle FEG persönlich: Deborah Keller

von Harry Pepelnar, harry.pepelnar@feg.ch

Ich schreibe diese feg.persönlich-Berichte gerne. Diese Lebensgeschichten machen mir Mut und Hoffnung. Deborah Keller lerne ich in einer meiner eigenen Krisen kennen. Mitten in dieser Krise bekomme ich ein grosses Paket aus Sulgen. Gespannt mache ich es auf. Deborah Keller aus Sulgen, steht auf dem Absender – noch nie gehört. Das Paket ist gefüllt mit vielen ermutigenden Bibelverskarten und Ermutigungsheften. Gestaltet in einer Art, die mich seltsam berührt. Verspielt, verträumt, kindlich, ermutigend purzeln mir Verse und Bilder entgegen, die meiner Seele wohltun.

Wer steckt hinter dieser ansprechenden Kunst? Ihre Geschichte will ich kennen lernen. Und Deborah hat den Mut, über ihre Grenzen und Schwächen zu erzählen und macht damit den Gott sichtbar, der aus Sandkörnern Perlen machen kann.

Pastorenwechsel

Deborah Keller, Jahrgang 1986, wächst wohlbehütet in Gränichen (AG) auf. «Ich hatte eine unbeschwerte und schöne Kindheit. Ich habe viele gute Erinnerungen!» Der Glaube an Gott gehörte einfach dazu. Die Eltern sind aktiv in einer Chrischona-Gemeinde und auch Deborah ist voll dabei. Nach der Kanti macht sie in Zofingen die Ausbildung zur Primarlehrerin.

Sie ist 19 Jahre alt, als in ihrer Gemeinde ein Pastorenwechsel ansteht. Ein junger, unverheirateter Pastor wird gewählt: Martin Keller. Da Deborah aktiv mitarbeitet, hat sie viel mit Martin zu tun. Drei Jahre später – auch wenn sich das Deborah zu Beginn niemals vorstellen konnte – werden sie ein Paar – das Umfeld ist teilweise sehr überrascht darüber.

Deborah und Martin Keller

Pastorenfrau mit Kopfschmerzen

2010, Deborah ist 23 Jahre alt, heiraten sie und das junge Paar wechselt in die FEG Sulgen, wo Martin eine Anstellung bekommt. Deborah beschreibt sich selbst als introvertierte Person, die sich viele Gedanken über das Leben macht. «Ich habe einen Hang zum Perfektionismus und irgendwie will ich es allen recht machen.»

Die Gemeinde Sulgen nimmt das junge Ehepaar herzlich auf und gibt auch Deborah zu verstehen, dass es da keine Forderungen gibt.

«Aber ich habe mir selbst enormen Druck gemacht und hatte ein Bild im Kopf, wie eine Pastorenfrau sein sollte.»

Schon als Jugendliche kennt sie Spannungskopfschmerzen. Mit den Jahren werden diese Schmerzen immer stärker und treten täglich auf. 2013 kommt ihre Tochter Lena zur Welt. 2015, an einem Gemeindeweekend, kommt sie an ihre Grenzen und erklärt der Gemeinde, warum sie sich so viel zurückziehen muss. «Das hat mich entlastet. Viele Leute haben dann für mich gebetet... und ich hoffte, dass Gott jetzt eingreift.»

Zweifel an Gott

Wenig später freuen sich Deborah und Martin über eine zweite Schwangerschaft. Mit der Schwangerschaft kommen nebst täglichen Spannungskopfschmerzen Migräneanfälle dazu. Die Schmerzen werden unerträglich. Medikamentös kann man nicht viel machen. Während mir Deborah diese Phase erzählt, kämpft sie mit den Tränen. «Ich habe 8 Monate durchgebissen und wieder gehofft, dass es eine schnelle Lösung gibt.» Zwei Monate nach der Geburt kommt der Zusammenbruch.

«Ich war am Ende und ich hatte Zweifel an Gott. Ich brachte mein Bild von Gott schon länger nicht mehr mit meiner Realität zusammen.»

Bedingungslos geliebt

In dieser Verzweiflung fragte Deborah Gott, was er aus ihrem Leben machen möchte und wie sie ihm dienen könne. Mutig steht sie an einem Sonntag vor die Gemeinde und erzählt unter Tränen von ihrer Situation. Daraufhin kommt sie in eine Klinik, die Diagnose ist Erschöpfungsdepression. Aufgrund von Platzmangel auf der Mutter-Kind-Abteilung erlebt sie sehr schwierige Tage auf der geschlossenen Abteilung. Sie geht wieder nach Hause.

Obwohl es Deborah schwer fällt, Hilfe anzunehmen, gibt es eine grosse Entlastung. Jemand finanziert ihr eine Putzfrau, es gibt eine Notfall-Chat-Gruppe, so dass sich immer wieder Freundinnen um ihre Kinder kümmern und sonst anpacken.

«Ich habe in diesen Wochen Gott erlebt wie noch nie. Ich fühlte mich bedingungslos geliebt! Und ich durfte erleben, was es bedeutet, eine Gemeinde im Rücken zu haben!»

Im Januar 2017 klingelt es an der Tür, eine Frau aus der Gemeinde beschenkt sie im Auftrag von Gott mit weissen Rosen. «Diese Frau, die mich kaum kannte, beschenkte mich mit meinen Lieblingsblumen! Ein unglaublicher Händedruck von Gott! Seit diesem Tag werde ich treu von ihr begleitet, ermutigt und seit über 5 Jahren wöchentlich mit weissen Rosen beschenkt!»

Entspannung

Im Frühling 2019 fängt Deborah an, Bibelverse zu gestalten. In einem Jahr durch die 150 Psalmen. Aus jedem Psalm einen Vers. Dabei merkt sie, wie gut ihr das tut. Trotzdem sind immer wieder enorme Schmerzen da und der Tag beginnt oft mit der Frage: Schaffe ich das heute?

Ende 2019 bekommt sie einen Platz für eine multimodale stationäre Schmerztherapie in St. Gallen. «Ich habe dort gelernt, wie ich mein Leben mit Schmerzen leben kann, ohne dass der Schmerz mein Leben bestimmt.» Bei einer Untersuchung wird gemessen, dass sie die grösste Entspannung erlebt, wenn sie bewusst Zeit mit Gott verbringt.

Deborah erlebt immer mehr, dass ihr das Malen und Gestalten enorm hilft. «Wenn es mir schlecht geht, dann zieht es mich an den Schreibtisch und ich erlebe, wie Gott mich mit einem neuen Bild beschenkt.» Die berührenden Karten und Ermutigungshefte, welche gemeinsam mit der Pfarrerin Sabine Herold entstanden sind, können unter www.wuestenperle.ch bestellt werden.

«Ich habe heute immer noch täglich Kopfschmerzen, aber die Intensität hat abgenommen und es geht mir viel besser. Gott heilt mich – Schritt für Schritt – an Körper, Seele und Geist. Ich wollte immer alles verstehen, aber wir müssen Gott nicht immer verstehen, weil er Gott ist und wir Menschen sind. Ich will ihm VERTRAUEN, denn er ist gut – zu mir und auch zu dir!»