Gott hat mir wieder eine Person aufs Herz gelegt – Dabrina Bet-Tamaraz, die Pastorin der FEG Chrüzpunkt Wettingen. Obwohl sie schon sieben Jahre lang Pastorin ist, ist sie mir in der FEG bisher kaum aufgefallen. Ich wusste aber, dass sie eine interessante Geschichte zu erzählen hat. Mach dich bereit, hier ist ein Auszug aus ihrem Leben.
Teheran, Iran
Dabrina stammt aus dem mir fremden Land Iran. Sie wird in eine christliche, aramäisch sprechende Familie hineingeboren. Ihre Eltern sind Pioniermissionare, und sie hat eine enge Beziehung zu ihrem 13 Monate älteren Bruder. Heute sprechen nur noch etwa 30.000 Menschen Aramäisch; ansonsten ist die Hauptsprache Farsi (Persisch) im Iran.
Schon früh erlebt sie Verfolgung. „Wir konnten nie auf der Strasse spielen oder gar allein zur Schule gehen. Es war zu gefährlich!“ Angst und Unsicherheit prägen diese Zeit. Die Regierung setzt die Christen zunehmend unter Druck, und hinzu kommen erhebliche Meinungsverschiedenheiten unter den aramäischen Christen. Aramäisch ist übrigens die Sprache Jesus.
„Einmal kam die Lehrerin zu mir und meinem Bruder und sagte: ‚Euer Vater wurde umgebracht.‘ Voller Angst fuhren wir mit dem Taxi nach Hause. Glücklicherweise wurde unser Vater nur verhört, aber ein anderer Pastor wurde tatsächlich umgebracht.“
Ich werde Muslimin
Als Teenagerin muss Dabrina eine muslimische Schule besuchen, in der Farsi gesprochen wird. Sie erinnert sich: „Ich sprach nicht gut Farsi, wurde oft ausgelacht – und dann war ich auch noch Christin!“ Der Druck wird enorm. Einerseits gibt es die Verfolgung der Kirche, andererseits die Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde.
Ihre Lehrerin beginnt, mit ihr den Koran zu lesen. „Irgendwann war für mich klar, dass ich Muslimin werde. Ich wollte alles hinter mir lassen und endlich Ruhe haben.“ Ihre Eltern glauben es nicht, aber Dabrina geht jede Woche in die Moschee. Als sie jedoch im Koran liest, dass Frauen geschlagen werden dürfen und wie dies am besten zu tun ist, kommen ihr Zweifel, ob der eingeschlagene Weg wirklich der richtige ist.
Wer Ohren hat, der höre
Die Familie lebt oberhalb der Kirche. Es ist Pfingsten, und Dabrina will sich den Schlüssel für die Wohnung aus der Kirche holen. Dabei hört sie ihren Vater predigen. Er zitiert aus der Offenbarung: „Wer Ohren hat, der höre.“
Dabrina denkt: „Ja, das will ich. Gott hören.“ Und so betet sie innerlich: „Bitte rede zu mir.“ In diesem Moment spürt sie eine Hand auf ihrer Schulter, obwohl niemand hinter ihr steht. Dann hört sie eine Stimme: „Dabrina, ich habe dich erwählt.“ Das ist der Ausgangspunkt für ihr Leben als Nachfolgerin von Jesus. „Noch heute, 25 Jahre später, höre ich Ihn und glaube immer noch daran!“, sagt sie.
Ein wachsende Gemeinde
Mit 17 Jahren beginnt Dabrina eine theologische Ausbildung in England. Als sie nach Teheran zurückkehrt, studiert sie Psychologie an der Universität. Gleichzeitig wächst die Gemeinde ihres Vaters enorm. Sie erleben viele Wunder: Menschen werden geheilt und ganze Familien entscheiden sich für ein Leben mit Jesus.
Dabrina betreut die Gemeinden im Norden des Iran, predigt, schult die Gläubigen und übernimmt viele weitere Aufgaben. „Die Frauen waren damals sehr akzeptiert und konnten ihre Gaben für das Reich Gottes einsetzen. Heute sind sie durch den Einfluss westlicher christlicher Lehren eingeschränkter.“
Bibeln werden zunehmend verboten, und die Kirche muss sich im Untergrund treffen. „Trotzdem hatten wir als Jugendliche den Mut, nach draussen zu gehen, um zum Beispiel auf einem Kinderspielplatz öffentlich die Bibel zu lesen. Das führte immer zu guten Gesprächen.“ Sie ergänzt, dass die anderen Jugendlichen immer darauf achteten, dass keine Regierungsspione in der Nähe waren.
Verhaftet
Dabrina ist 24 Jahre alt, als der Druck auf die Christen im Iran noch grösser wird. Während sie mir das erzählt, denke ich daran, wie gut wir es in der Schweiz haben – und wir scheuen uns oft schon davor, das Evangelium auf der Strasse zu verkünden.
Dabrina wird zu dieser Zeit regelmässig verhört, soll als Spionin angeworben werden und kommt immer wieder ins Gefängnis. Ausserdem wird sie von der Universität verwiesen. Die Regierung schliesst die Kirche ihres Vaters, zunächst nur vorübergehend, dann aber endgültig.
Flüchtling
Die Familie trifft die schwere Entscheidung: Dabrina soll allein fliehen. Sie reist über Wien nach Lugano und kommt dort im Asylaufnahmezentrum an. „Zuerst wollte ich dieses Gebäude nicht betreten. Es sah aus wie ein Gefängnis, und ich hatte im Iran so viel Trauma in Gefängnissen erlebt.“
Trotzdem bleibt sie vier Monate in Lugano, bevor sie nach Zürich wechselt. „Ich habe viel Gunst von Gott erlebt“, erzählt sie. „Eine Pfingstgemeinde aus Weinfelden war früher bei uns im Iran zu Besuch gewesen, und ich habe den Kontakt zu ihnen wieder aufgenommen.“ Die Familie von Walter Schwertfeger, dem Pastor der Pfingstgemeinde in Weinfelden, wird in der Schweiz zu ihrer Stütze und Ersatzfamilie.
Pastorin in Wettingen
Nach einigen Jahren wird Dabrina endlich als Flüchtling anerkannt und erhält eine Arbeitserlaubnis. Zunächst überlegt sie, Stewardess zu werden, verwirft diese Idee aber wieder. Stattdessen arbeitet sie im sozialen Bereich mit Jugendlichen in Basel und Zürich. Schliesslich wird sie Jugendpastorin in einer Pfingstgemeinde und kehrt damit zu der Berufung zurück, die Gott ihr geschenkt hat.
Als Thomas Lorenz, Pastor der FEG Wettingen, die Gemeinde in Richtung Murten verlässt, bewirbt sich Dabrina auf die Stelle und wird gewählt. Wow, was für ein starker Bund, diese FEG Schweiz!
Dabrina setzt sich heute für Menschen mit Migrationshintergrund ein und arbeitet in verschiedenen politischen Gremien mit. Im Jahr 2021 können auch ihre Eltern in die Schweiz nachkommen. Halleluja.