Screenreader-freundliche Version anzeigen

Gottes Stimme hören: eine Einführung

Sonja Sorbara

Ein Blitz, ein Donner, eine hörbare Stimme – so oder ähnlich stellen wir uns manchmal vor, dass Gott in unseren Alltag hineinspricht. Was heisst es ganz praktisch, Gottes Stimme zu hören? Und wie kann ich das in meinem Alltag, in meiner Beziehung mit Gott und in der Gemeinde (er-)leben?

Gott kommuniziert mit uns

Gott hat schon immer zu uns Menschen gesprochen – ja, Er hat uns geschaffen, um mit Ihm Gemeinschaft zu haben. Die ganze Bibel erzählt von Gottes Sehnsucht nach dem Menschen, von Seinem Rufen und Werben, Seiner Heiligkeit und Seinem Wesen, das in sich auf Beziehung aufgebaut ist. Im Alten Testament hat Gott oft durch Engel, durch Propheten, durch Träume und Visionen gesprochen. So kann Er auch heute noch zu uns sprechen, aber seit Pfingsten haben wir Christinnen und Christen ein besonderes Privileg : den Heiligen Geist, der in unsere Herzen ausgegossen ist (Jesaja 32,15 ; Apostelgeschichte 2,33). Bevor Er zum Vater zurückkehrt, verspricht Jesus Seinen Jüngern und damit all Seinen Nachfolgern : «Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was Ich euch gesagt habe» (Johannes 14,26). Und wie das ganz praktisch passiert, sehen wir im darauffolgenden Buch der Bibel, in der Apostelgeschichte. Da spricht Stephanus «im Geist», und die Umstehenden können ihm nicht widerstehen (6,10). Der Geist spricht auch zu Philippus (8,29) und zu Petrus (10,19) ; Er sendet Barnabas und Saulus aus (13,4) ; Er verbietet (16,6.7) ; drängt (20,22) und bezeugt (20,23) und setzt in Ämter ein (20,28). Nun, wir lesen nicht, wie der Heilige Geist das gemacht hat – waren es Gedanken, hörbare Worte, äussere Umstände … ? Da das Handeln des Heiligen Geistes wie nebenbei erwähnt wird, dürfen wir davon ausgehen, dass Sein Reden mit Klarheit und in Einheit angenommen wurde. Wie schön !

Die ganze Bibel erzählt von Gottes Sehnsucht nach dem Menschen, von Seinem Rufen und Werben, Seiner Heiligkeit und Seinem Wesen, das in sich auf Beziehung aufgebaut ist.

Geschaffen für Beziehung

Wir sind dazu gemacht, in Beziehung mit dem lebendigen Gott zu leben – und mitten in unserem Alltag, in unseren Familien, im Arbeitsleben und in der Ausbildung mit Ihm zusammen zu sein. Ja, mehr noch : Ihm zu folgen und von Ihm zu lernen. Jesus sagt ganz schlicht : «Meine Schafe hören meine Stimme, und Ich kenne sie und sie folgen mir» (Johannes 10,27). Wir, Seine Schafe, hören Seine Stimme. Punkt. Und wir kennen Ihn und wir folgen Ihm – das heisst : Wir leben mit Ihm. Wir planen unsere Zeit, erziehen unsere Kinder, pflegen unsere Eltern, treffen wichtige Entscheidungen – mit Jesus. Das ist etwas anderes, als unabhängig von Jesus zu leben und noch rasch im Nachhinein für unsere Entscheidungen um Seinen Segen zu bitten, quasi zur Sicherheit. Nein : Leben mit Jesus setzt voraus, dass wir unser ganzes Leben, all unsere Lebensbereiche, Ihm anvertrauen dürfen. Das ist tröstlich und entlastend – aber wir müssen das auch wollen. «Meine Schafe hören meine Stimme – sie kennen mich und sie folgen mir.» Gottes Stimme zu hören beinhaltet Beziehung und Nachfolge. Man kann auch sagen : Gehorsam.

Wir planen unsere Zeit, erziehen unsere Kinder, pflegen unsere Eltern, treffen wichtige Entscheidungen – mit Jesus.

Wie spricht Gott ?

Hast du die feine, innere Stimme des Heiligen Geistes auch schon wahrgenommen ? Vielleicht kam dir ein Mensch in den Sinn, für den du dann spontan gebetet hast ? Eine Erinnerung an einen Bibelvers oder ein Lied, der oder das dich ermutigt und getrös­tet hat ? Ein Blitzgedanke, dass der Ungehorsam eines Kindes einer spezifischen Not entspringt ; ein Impuls, wo der verloren gegangene Schlüssel sein könnte ? Eine Lösung für eine geschäftliche Herausforderung beim Joggen ? Im Alltag erlebe ich diese Impulse oft – beim Einkaufen, während eines Gesprächs, beim Vorbereiten des Unterrichts oder wenn ich unterwegs bin. Nehme ich mir explizit Zeit, um mit Gott zu kommunizieren, dann suche ich mir einen ruhigen Ort. Mein «Begegnungsort» ist unser Sofa, rechte Seite. Zuerst danke ich Gott für Seine Gegenwart und dafür, dass Er zu mir spricht. Dann stelle ich Gott im Gebet eine Frage. Noch einfacher finde ich es, die Frage aufzuschreiben. Zum Beispiel : «Mit welchem Bibelvers möchtest Du meine Freundin heute ermutigen ?» Oder : «Welches unse­rer Kinder braucht heute besonders meine Aufmerksamkeit und Liebe ?» Oder : «Wie willst Du mir heute begegnen ?» Ich warte dann auf Sein Reden und schreibe die Gedanken auf, die kommen.

Nehme ich mir explizit Zeit, um mit Gott zu kommunizieren, dann suche ich mir einen ruhigen Ort.

In unserer Gemeinde bieten wir seit vielen Jahren Grundkurse zum Hören von Gottes Stimme an. Daraus hat sich eine «Trainingsgruppe» entwickelt, in der wir das Weitergeben von Worten üben. In unserer Kirchgemeinde bieten wir zudem regelmässig Hörendes Gebet für Menschen an, die sich einen Impuls von Gott wünschen – ganz unterschiedlich, wie z. B. mit Süssigkeiten und einem Segenswort, einer «Segens-Dusche», mit Postkarten … Da wir eine Kultur des Hörens aufbauen wollen, führen wir immer häufiger die Menschen selbst in die Begegnung mit Gott anstatt «nur» Sein Reden weiterzugeben. Seit vielen Jahren plant die Gemeindeleitung für die erste Sitzung eines neuen Kalenderjahres einen Gebetsabend ein, an dem wir hinhören, welchen Fokus Gott im neuen Jahr für die Kirchgemeinde setzt.

Unterscheiden lernen

Beim Thema «Gottes Stimme hören» geht es im Grund genommen um eine einzige Sache : in Beziehung mit Gott zu leben. Und je länger und besser wir Ihn kennen, desto schneller können wir auch Seine Stimme von den vielen anderen inneren Stimmen (zumeist die unserer Seele) unterscheiden. In unserer Trainingsgruppe halten wir uns an folgende Leitfragen :

  • Entspricht das Gehörte der Grundbotschaft der Bibel ?
  • Wie ist der Charakter der Stimme ? Selbst wenn wir etwas Unangenehmes hören – zum Beispiel, dass wir uns bei einer Person entschuldigen sollen – so ist die Stimme Gottes niemals anklagend, denn es ist Seine Güte, die uns zur Umkehr leitet (Römer 2,4).
  • Löst das Gehörte Frieden aus ? Die Stimme des Heiligen Geistes ist immer klar, ohne Anklage, freundlich und sanft. Jesus nennt den Heiligen Geist «paraklētos» : Anwalt, Fürsprecher, Beistand. Und : Friede ist ein Charakterzug Jesu (Epheser 2,14).

Gott lädt uns ein, mit Ihm in Beziehung zu sein. Das ist das Kostbarste, was uns passieren kann. Ich will Gottes Vertraute sein, der Er Sein Herz, Seinen Willen, Seine Gedanken mitteilt. Gottes Perspektive ist so viel grösser und besser als meine eigene, sodass ich Sehnsucht danach habe, in allen Situationen Seine Sicht zu erhalten. Und Er schenkt sie uns gern ! «Meine Schafe hören meine Stimme – und sie kennen mich und sie folgen mir.» Ein besseres Leben für ein Schaf gibt es nicht, als in Beziehung mit diesem Hirten !

Ich will Gottes Vertraute sein, der Er Sein Herz, Seinen Willen, Seine Gedanken mitteilt.
Mit Jesus ist das Reich Gottes «nahegekommen». Was heisst das ganz praktisch ? Welche Auswirkung hat dieses unsichtbare himmlische Königreich in unserem Alltag ? Wie können wir Gottes Kraft in unserem Leben sehen und erleben ? (Grain Press Verlag, 2025; 125 Seiten; Fr. 18.40 bei www.fontis-shop.ch)
Ein Gott der Beziehung. Er spricht mit dir und hört auf dich.
Eine Kultur des Hörens entwickeln. Du darfst lernen, Gottes Stimme zu hören.
Gott wartet auf deine Reaktion. Lass dich verändern und sei gehorsam !
Sonja Sorbara ist Theologin BSs, Autorin und Erwachsenenbildnerin. Seit vielen Jahren leitet sie in ihrer Kirchgemeinde in Zürich Hirzenbach das Hörende Gebet und trainiert Erwachsene und junge Menschen in Jüngerschaft (www.stefanskirche.ch). Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Zürich.