Die Wurzeln der Gemeinde reichen bis ins Jahr 1850. Damals suchten Reiseprediger das Glarnerland auf und bewirkten, dass der Lehrer Gabriel Beglinger aus Mollis zum persönlichen Glauben an Jesus fand. Als Beglinger einige Jahre später begann, eigene christliche Treffen abzuhalten, eskalierte die Situation in der politischen Gemeinde Mollis zu tumultartigen Versammlungen. Als Folge seiner religiösen Betätigung verlor Beglinger sein Amt als Lehrer und verliess mit seiner grossen Familie das Glarnerland.
Erst fünf Jahre später kehrte Beglinger in die Region zurück; daraus gingen verschiedene Versammlungen erweckter Christen hervor. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde er sogar als Lehrer in Mollis rehabilitiert. Zwei Jahrzehnte später übernahm Prediger Wilhelm Meili den Dienst in dieser jungen Gemeinschaft. Er leistete dort während dreissig Jahren wichtige und prägende Aufbauarbeit. Am 1. November 1885 kommt es zur Gründung der Freien evangelischen Gemeinde im Kanton Glarus. Die Aussengemeinden in Rapperswil SG (ab 1883) und Azmoos (ab 1889) werden von W. Meili regelmässig betreut. Am 26. Dezember 1894 wird die neue Kapelle in Ennenda mit Baukosten von 30'000 CHF eingeweiht. An dieser Stelle könnte man noch lange weiterschreiben. Von der Gründung eines Krankenheims, eines Altersheims, aber auch von vielen Aufs und Abs. Doch eines würden bestimmt alle diese Glaubenshelden einstimmig sagen:
«Es war Gottes Gnade, die das ermöglicht hat!»
Und wie ist es heute – so viele Jahrzehnte später? Immer noch wirkt Gottes Gnade auf vielfältige Weise am einzelnen Menschen. Dabei lautet unsere Vision: «Nah bei Gott und nah bei den Menschen». Hier einige Eindrücke von Menschen aus der Gemeinde.
Isaías Gómez Martin
Vor etwas mehr als einem Jahr ist Isaías Gómez Martin von Mexiko mit seiner Familie in die Schweiz gekommen. Vor kurzer Zeit haben er und seine Frau ihr Leben Jesus übergeben und wollen ihm folgen. Dabei ist der Wunsch nach einer guten theologischen Ausbildung aufgekommen. Was für eine Ausbildung könnte diesem Kriterium entsprechen? Welche ist gleichzeitig auch nicht so teuer und kann ganz einfach online absolviert werden? – Agando.org war die Lösung. Eine einjährige Ausbildung, die nicht von der Tageszeit abhängig ist und an der auch Armin Mauerhofer unterrichtet.
Cyrill Böniger
Wer erreicht die Jugend am besten? Die Antwort ist ganz einfach: die Jugend. Ein junger Mann namens Cyrill Böniger, der ebenfalls den Kurs bei Agando absolviert hat, übernahm vor kurzem die Hauptleitung. Viele Junge aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, Gläubige und Ungläubige geniessen die Gemeinschaft und Gottes Wort. Dabei essen sie jeden Samstag gemeinsam um 18 Uhr. Der Jugendtreff endet meist um 23 Uhr. Erfreulich ist, dass die meisten trotzdem am nächsten Tag im Gottesdienst sind.
Ruedi und Erika Uhlmann
Wie wertvoll ist es, solche Vorbilder in der Gemeinde zu haben! Davon gibt es glücklicherweise viele. Auch die ältere Generation engagiert sich von Herzen für das Reich Gottes. Besonders hervorzuheben sind dabei jene Aufgaben, die oft weniger Beachtung finden, aber letztlich den entscheidenden Unterschied ausmachen. Ein Beispiel dafür: Seit einiger Zeit laden Ruedi und Erika Uhlmann jeden Montagmorgen zu einer gemeinsamen Gebetszeit in ihr Wohnzimmer ein. Dabei stehen die Anliegen der Gemeinde im Zentrum. In solchen Momenten wird wahre Gemeinschaft gebaut.
Monika Maggio
Es gibt immer wieder Momente, in denen in der Gemeinde etwas «stirbt». In unserem Fall war dies der Mami-Treff. Zugleich wird aber auch etwas Neues «geboren»: das Frauenfrühstück. Bei diesem Format werden nicht primär externe Referentinnen eingeladen, sondern Frauen aus der Gemeinde übernehmen diese Rolle selbst. Gerade hier eröffnet sich die Chance, verschiedene Gaben auszuprobieren – wobei Perfektion zweitrangig ist. Die Hauptverantwortung für dieses Projekt trägt Monika Maggio.
Julia Maag
Ein Bereich in der Gemeinde läuft stets Gefahr, zu wenig Beachtung zu finden: die Kinderarbeit. Das Zitat des Dichters William Ross Wallace verdeutlicht jedoch deren zentrale Bedeutung: «Die Hand an der Wiege ist die Hand, die die Welt regiert.» Julia Maag leitet diesen wichtigen Bereich. Ihr besonderes Anliegen ist es, dass die Kinder das Alte wie auch das Neue Testament auf kreative Weise kennenlernen und liebgewinnen. Ergänzend dazu gibt es hin und wieder eine spannende Missionsgeschichte, wie beispielsweise die von Hudson Taylor.
Was verbindet all die wunderbaren Glaubensgeschwister? Sie üben Treue im Kleinen – und somit wird Gemeinde gelebt. Jeden Tag einen Schritt mit dem Herrn Jesus Christus vorwärts, bis das Ziel erreicht ist: die Ewigkeit! Dabei darf jeder Gläubige sich immer wieder seiner wunderbaren Berufung bewusst werden: I
hr jedoch seid das von Gott erwählte Volk; ihr seid eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das ihm allein gehört und den Auftrag hat, seine grossen Taten zu verkünden – die Taten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Früher wart ihr nicht Gottes Volk – jetzt seid ihr Gottes Volk. Früher wusstet ihr nichts von seinem Erbarmen – jetzt hat er euch sein Erbarmen erwiesen. 1. Petrus 2, 9¬10