Verena Geissbühler
Körperliche Schwächen (griech. Soma) entstehen durch heilbare oder unheilbare Krankheiten, Störungen und Verletzungen. Sie gehen meist mit Schmerzen einher. Seelische Schwächen (griech. Psyche) zeigen sich in Antriebslosigkeit, geringem Selbstwertgefühl, Ängstlichkeit, innerer Leere, Sinnverlust, Schuldgefühlen und Konflikten. Geistliche Schwächen (griech. Pneuma) machen deutlich, dass jeder Mensch unvollkommen und begrenzt ist, da er nicht nach Gottes Geboten handelt. Matthäus 26,41 betont, dass der Geist zwar willig, das Fleisch aber schwach ist. Dies deutet auf eine Trennung oder ein Spannungsverhältnis hin, nicht auf eine Einheit.
Schwächen mit Gott in Verbindung bringen
Die Bibel betrachtet den Menschen als Ganzes. Körper, Seele und Geist gehören zusammen und beeinflussen sich gegenseitig (1. Thessalonicher 5,23). Die Schrift ruft nicht dazu auf, Schwächen zu verdrängen, zu verleugnen oder zu verstecken, sondern sie Gott anzuvertrauen. Gleichzeitig sind solche Zustände oft Einfallstore für die sündige Natur des Menschen : Schmerzen, seelische Nöte, Wunden und Verletzungen sowie Gottesferne und Sünde können zu Wut, Rückzug, Misstrauen, Angst, Erschöpfung, Lustlosigkeit, Unversöhnlichkeit, Machtmissbrauch, Lüge, Treulosigkeit, Mutlosigkeit und Verzweiflung führen.
Die Schrift ruft dazu auf, Schwächen Gott anzuvertrauen.
Sich über eigene Nöte freuen ?
Psalm 73,26 : «Wenn mir Leib und Seele verschmachten, so bist Du, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.» Römer 5,3–5 ergänzt : «Wir freuen uns auch über die Nöte, die wir jetzt durchmachen. Denn wir wissen, dass Not uns lehrt durchzuhalten, und wer gelernt hat durchzuhalten, ist bewährt, und bewährt zu sein festigt die Hoffnung. Und in unserer Hoffnung werden wir nicht enttäuscht.»
Warum sollten wir uns über Nöte freuen ? Viele Menschen haben widrige Lebensumstände und Krisen zu bewältigen und ich sehe bei Ratsuchenden reale Belastungen. Gott wollte nie, dass Leid, Schmerz und Not den Menschen in seinem Dasein prägen und begleiten ; solche Erfahrungen entstehen durch menschliches Handeln und den Einfluss des Satans (Epheser 6,12). Schuld bleibt Schuld und darf nicht ignoriert werden. Verletzungen durch das Fehlen von Fürsorge, bedingungsloser Annahme, Liebe, Vertrauen, Selbstwirksamkeit oder Gerechtigkeit hinterlassen oft eine tiefe Leere und seelische Schmerzen. Menschen versuchen, diese Leere zu füllen – mithilfe von Beziehungen, Süchten, Konsum von Substanzen oder übertriebener Leistung – doch die tiefe Sehnsucht wird meist nur kurzfristig oder gar nicht gestillt. Nicht selten kommen zur Leere ein verzerrter Selbstwert und ein negatives Selbstbild hinzu, die verhindern, gesunde Beziehungen in Ehe und Familie, Beruf und Gemeinde leben zu können.
Gott wollte nie, dass Leid, Schmerz und Not den Menschen in seinem Dasein prägen und begleiten.
Heilung und Vergebung empfangen
Diese Leere schwächt die Fähigkeit, Versuchungen standzuhalten, negative Umstände auszuhalten und zu lieben : Gott, den Nächsten und sich selbst. Gott weiss um unsere Verletzungen und Schwächen und lädt uns ein, Heilung und Vergebung zu empfangen. Wir sollen auch unseren Täterinnen und Tätern vergeben, was nicht Vergessen bedeutet, sondern die Befreiung von emotionalen Ketten, das Loslassen von negativen Gefühlen und auch den Verzicht auf Groll und Rache beinhaltet (vgl. Matthäus 18,21). Menschen dürfen sich vertrauensvollen Personen öffnen, zusammen beten, Seelsorge oder Therapie in Anspruch nehmen, insbesondere bei wiederkehrendem Versagen, Ängsten, Erschöpfung, Suizidgedanken, Missbrauch oder Süchten.
Die Lösung liegt im Bewusstsein, dass wir nicht Opfer unserer Umstände bleiben müssen. Das Opfer war Jesus Christus am Kreuz.
Raus aus der Opferrolle !
Die Lösung liegt im Bewusstsein, dass wir nicht Opfer unserer Umstände bleiben müssen. Das Opfer war Jesus Christus am Kreuz (vgl. Römer 6,23). Gottes Plan ermöglicht es, sich an Seinen Verheissungen, Seiner Gnade und einer ganzheitlichen Wiederherstellung des persönlichen Wertes in den Ordnungen Gottes zu erfreuen, weil wir Gott gehören. Das schenkt Würde und Lebenssinn, Annahme durch Gnade. Auch die Gemeinde als Gemeinschaft trägt dazu bei. Christen und andersdenkende Menschen dürfen ohne gegenseitige Verurteilung durch ein freiwilliges und ermutigendes Miteinander wachsen. So werden Ruhe, Stärke, Glaube, Hoffnung, Kraft und ein Getragenwerden sichtbar und die Liebe Gottes wird erlebbar (Epheser 4,2).
Von Gott wiederhergestellt werden
Psalm 51 kann uns ebenfalls inspirieren, da es ein Busspsalm von David ist, der nach dem Erkennen seiner Schuld verfasst wurde (2. Samuel 11 und 12). Er beginnt mit der Bitte um Gottes Gnade und Barmherzigkeit, ihn von Sünden reinzuwaschen, und enthält zentrale Anliegen wie ein reines Herz, einen beständigen Geist, Wiederherstellung der Freude am Heil und Abwendung von Verdorbenheit. Gott sucht keine Opfer, sondern reuige Sünder, die einen zerbrochenen und demütigen Geist haben. Er sucht Menschen, die sich von IHM vergeben, heilen, tragen und gebrauchen, sich wiederherstellen und reinwaschen lassen wollen. Dies gilt heute und auch morgen – damit unsere Schwächen zu tragbaren Resilienzen (Widerstandsfähigkeiten), Festigkeiten und Stärken werden.
Gott sucht keine Opfer, sondern reuige Sünder, die einen zerbrochenen und demütigen Geist haben.