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Im Almen-Reich

Von Hütte zu Hütte auf dem salzburger almenweg

Mal ganz in die Natur eintauchen und sich nur auf die Kraft seines Körpers verlassen: Darin liegt die Faszination des Weitwanderns. Auf dem Salzburger Almenweg können auch Einsteiger dieses Abenteuer erleben. Mit Wetterkapriolen sollten sie aber rechnen.

Eine Multimedia-Reportage von Simone Eber

Schon ewig wollte ich das Wandern von Hütte zu Hütte mal ausprobieren. Nun ist es so weit: Das Abenteuer beginnt! Am Vortag bin ich mit der Bahn nach St. Johann im Pongau gefahren und habe in einem Hotel im Alpendorf an der Gondeltalstation übernachtet. Jetzt geht es raus aus der Komfortzone und rein in die Etappen 14 bis 16 des Salzburger Almenwegs im zentralen Abschnitt der Wagrainer und Kleinarler Hausberge.

Karte: © SalzburgerLand Tourismus, Andreas Posselt

Neben der Frage, ob meine Kondition durchhält, beschäftigt mich heute morgen ein weiteres Thema: das Wetter. Denn der bisherige Bergsommer im Salzburger Land war bescheiden und auch für die nächsten Tage ist Regen angekündigt. Bergführerin Agnes Moser übt sich aber in Optimismus: „Bis zum frühen Nachmittag hat das Wetter bei den letzten Touren immer gehalten.“ Auch heute schaut es zunächst gut aus. Und die Tagesetappe startet gemütlich: Wir fahren mit der Alpendorfgondel auf die Obergaßalm und noch ein Stück weiter mit dem Bähnchen, das den Geisterberg-Spielplatz hochfährt. Erst an der Haibenalm geht die gut neun Kilometer lange Etappe 14 vom Gernkogel über den Sonntagskogel auf die Kleinarler Hütte richtig los – mit leichtem Gepäck, denn mein Koffer wird von Hütte zu Hütte transportiert.

Kaum nehmen wir den Aufstieg zum Sonntagskogel in Angriff, sind wir in eine andere Welt eingetaucht. Hotels und Liftanlagen rücken in die Ferne, machen Platz für weite, grüne Bergplateaus mit mächtigen Bäumen. Überall grasen Kühe in Gruppen und blicken uns mit malmenden Kiefern und schlagenden Schwänzen gutmütig entgegen. Gatter in verschiedenster Spielart – zum Öffnen, Drübersteigen oder als Drehkreuz – erinnern uns immer wieder, dass sie hier den Almsommer verbringen.

Ebenso abwechslungsreich ist die Ausschilderung des Almenwegs, der 2026 seinen 20. Geburtstag feiert. Das Logo des Blauen Enzians erscheint nicht nur auf den gelben Wanderschildern, sondern auch als freistehende Blume oder auf Rastbänken.

Überhaupt, die Blumen: Sie sprießen bunt und üppig auf den gut durchfeuchteten Almwiesen. Rund um den Sonntagskogel sorgen Arnika und Almrausch als gelbe und pinke Tupfer für Farbschauspiele. Wir sind oben! Während wir das Bergpanorama vom Großglockner über das Tennengebirge bis zum Dachstein genießen, fasst Agnes die heutige Etappe zusammen:

An der schwülen Luft spüren wir, dass sich was zusammenbraut. Deshalb reißen wir uns von der grandiosen Aussicht los und verdrücken unsere Brotzeit eilig. Es geht weiter, jetzt auf schmalen Pfaden, immer wieder gesäumt von Weiden mit Pferden, Eseln und Ziegen. Dazu gesellt sich bald ein unliebsamer Begleiter: Regenschauer gehen immer wieder auf uns nieder, der Himmel zieht zu und bald fällt der Entschluss: Wegänderung! Angesichts der schlechten Sicht und Abrutschgefahr werden wir nicht die Gabel, den 2.037 Meter hohen Gipfel des Kitzsteins, überqueren, sondern einen etwas tiefer gelegenen längeren Weg über die Maurach-Alm und die Karseggalm gehen.

Das tut mir spätestens bei der Karseggalm überhaupt nicht mehr leid, denn der Besuch wird zum unverhofften Erlebnis: Der Wirt winkt uns freudig durch die schiefe Tür in die warme gute Stube. Drinnen sitzt ein einziger Gast an der offenen Feuer­stelle der mit über 400 Jahren ältesten bewirtschafteten Almhütte im Großarltal. Hier, erfahre ich, wird seit Generationen in zwei großen Kupferkesseln noch traditionell gekocht und gekäst. Besonders typisch ist der Knetkäse – ein Räucherkäse, der wegen seiner Konsistenz auch Alpen-Parmesan genannt wird. Der Wirt Willi Gruber zeigt mir die kleinen runden Laibe, die im Gebälk über der Feuerstelle zum Reifen ausliegen.

Die Karseggalm ist ein Paradebeispiel für den besonderen Charme des Salzburger Almenwegs: Er ist eben nicht „nur“ ein Wanderweg, sondern bietet mit seinen über 120 bewirtschafteten Almen eine einmalige Gelegenheit, alpine Küche und Gastfreundschaft kennenzulernen. Das ist auch bei Kleinarler Hütte der Fall, die wir nach zwei weiteren Wegstunden durchnässt erreichen. Der Neubau von 2022 wirkt im Vergleich zur verwitterten Karseggalm geradezu futuristisch, doch auch hier wird der Gast herzlich begrüßt, brennt ein Feuer im Kamin, sind die Tische mit Bergblumen und Kerzen dekoriert. Ich freue mich über das Wiedersehen mit meinem Koffer und den Luxus eines Einzelzimmers mit Dusche. Abends erzählt der junge Hüttenwirt Alois Langegger in der Stube über sein Konzept:

Am nächsten Tag hat es aufgeklart. Psychologisch ungünstig: Um den langen Aufstieg der Etappe 15 zur Weissenhofalm zu beginnen, muss ich erst mal nach Kleinarl absteigen. Von dort geht es mit Agnes, die bereits am Abend ins Dorf zurückgekehrt ist, auf der anderen Talseite nach oben. Unser Weg führt tief in den Wald, einen verwunschenen grünen Dschungel aus Farnen und Moos. Als die gut 800 Meter Aufstieg fast bewältigt sind, machen wir Halt am Sennnenbründl.

Leider gesellt sich zum Rauschen des Gebirgsbachs nun auch wieder das Plätschern des Regens. Schnell weiter und hinein in die Steinkaralm, deren wunderschöne Lage inmitten von Almwiesen eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Auch hier hält der Wirt schon die Türe auf und fragt uns beim wärmenden Tee nach unseren Plänen aus.

Zunächst mal rauf zur Weissenhofalm, dem Reich von Gabriela Aichhorn. Während Ehemann Stefan sich im Tal um die Landwirtschaft des Ferienbauernhofs kümmert, bekocht sie im Sommer die Tages- und Übernachtungsgäste der Hütte. So sieht ihr üblicher Tagesablauf aus:

Beim Fleisch greift sie viel auf eigene Produkte zurück, die Sohn Simon als Metzger verarbeitet – zum Beispiel den Leberkäs, den ich mir zum Abendessen schmecken lasse, oder Salami und Schinken zum üppigen Frühstück am nächsten Morgen. An ihrer Arbeit als Sennerin mag Gabriela, dass sie vielen verschiedenen Menschen begegnet. „Ich bin gespannt, wen es bei dem Wetter heute hier rauf verschlägt“, meint sie nach dem Frühstück.

Tja, das Wetter. Nach zwei anstrengenden Wandertagen hatte ich mich heute auf den Panoramaweg der Etappe 16 mit wenig Höhenmetern über das Griesenkareck zur Kogelalm gefreut. Doch das Tief hat sich über Nacht nicht verzogen, der Weg liegt in dichtem Nebel. Keine Chance, ich muss aus Sicherheitsgründen abbrechen. Stattdessen auf direktem Weg zurück nach Kleinarl und per Taxi zum Bahnhof von St. Johann. Am Ende hat mich nicht mein Körper ausgebremst, sondern die Natur. Aber sie hat mir auch eines der schönsten Wandererlebnisse meines Lebens beschert.

ARCD-Reiseservice Salzburger Almenweg

Profil: Der 350 Kilometer lang Wanderweg verbindet alle 25 Orte des Salzburger Pongaus und führt zu über 120 bewirtschafteten Almen. Er durchquert bekannte Urlaubsgebiete wie die Region Hochkönig, die Salzburger Sonnenterrasse, das Gasteinertal, das Großarltal und die Salzburger Sportwelt. Etappen: Die 25 Tagesetappen sind zwischen 8 und 20 km lang und führen bis in eine Höhenlage von über 2.200 m. Routenplanung und Buchung: Touren unterschiedlicher Länge sind von Anfang Juni bis Ende September über das offizielle Salzburger Almenweg Info- und Buchungscenter buchbar. Die Wander-Packages erfüllen individuelle Wünsche etwa nach Reisetagen, Regionen, Dauer der Wanderung oder Schwierigkeitsgrad. Sie umfassen unter anderem die klimafreundliche An- und Abreise sowie die Reservierung von Übernachtungen, Gepäcktransport, Rückfahrt zum Startpunkt, Guiding auf Wunsch und vieles mehr.

Fotos und Videos: Simone Eber

ERSTELLT VON
Simone Eber