Die Vereidigung von Donald Trump als US-Präsident im Januar 2025 im Kreise einer dezidiert konservativen politischen und wirtschaftlichen Elite war ein Vorbote für ein Jahr, das grosse Herausforderungen für progressive Bewegungen mit sich bringen würde: Militärische Aufrüstung und heisse internationale Konflikte, Zollstreitigkeiten und problematische Überwachungstechnologien, Rückschritte in Bezug auf Klimaschutz, Menschenrechte und freien Journalismus, emotionale Debatten zur Besteuerung von Überreichen und zum verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten. Die Liste scheint endlos und wirkt bisweilen überwältigend.
Doch Campax steckt nicht auf, auch wenn das viel Arbeit und viele Hausaufgaben bedeutet. Ständig müssen Positionen diskutiert und Strategien justiert, Parolen gefasst und Taktiken gewählt werden, wobei für eine multithematisch arbeitende Organisation stets die Frage nach der Fokussierung im Raum steht. Doch Strategie-Retraiten und optimierte interne Prozesse haben enorm dabei geholfen, planvoll und trotzdem agil zu arbeiten.
Obwohl der Backlash, der Rückschritt in Politik und Gesellschaft von rechtskonservativen und autoritäten Kräften Rückenwind zu geniessen scheint, setzt Campax seine Arbeit unbeirrt fort: Langfristige Kampagnen für mehr Klima- und Umweltschutz, für die Gleichstellung und den Schutz der Frauen, für die friedliche Koexistenz von Wolf und Mensch, für den Frieden in Gaza oder gegen den Backlash. Dieses Jahr demonstrierte das Team wieder einmal die ganze thematische Breite, auf der Campax aktiv ist und wo wir überall einen Unterschied im Sinne unserer progressiven Werte machen können, wenn wir uns organisieren und Menschen mobilisieren. Ergänzt wurden diese Kampagnen 2025 von über 24 Rapid Responses (durchschnittlich zwei pro Monat), also kleineren, kurzfristigen Kampagnen, die innerhalb weniger Stunden auf die Beine gestellt werden. Zudem feiern wir ein sensationelles Jahr des Teams, das die Petitionsplattform ACT by Campax betreut und Petitionsstarter*innen aus der Zivilgesellschaft unterstützt: 2025 führten wir 12 Kampagnen zum Erfolg, die von Privatpersonen oder anderen Organisationen in Zusammenarbeit mit Campax gestartet und umgesetzt wurden und am Schluss einen Unterschied machten.
Wir bleiben unseren Werten treu und stehen für unsere Vision ein. Campax ist und bleibt eine progressive Organisation, die blitzschnell reagiert. Wir mobilisieren Tausende für eine gerechte und ökologische Schweiz. Mit digitaler Technologie und gezielten Kampagnen treten wir heute und in Zukunft denjenigen entgegen, die ihre Macht missbrauchen, und bestärken und unterstützen unsere Community, sich für soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz, Demokratie, Menschen- und Tierrechte einzusetzen. Durch Solidarität stossen wir tiefgreifenden Wandel von unten an. Für die Unterstützung, die wir dabei erfahren dürfen, sind wir dankbar und freuen uns, auch heute und morgen mit Ihnen für eine gerechte und ökologische Zukunft der Schweiz einzustehen.
Nora Wilhelm, Präsidentin
Was 2025 alles in Sachen Kampagnen und Aktionen sowie auf unseren Plattformen gelaufen ist, erfährst du im folgenden Bericht.
Kampagnenberichte
Klima
Klimafreundliche Versicherungen
Auch 2025 haben wir uns für klimafreundliche Schweizer Versicherungen starkgemacht. Ein Highlight war dabei das erste Schweizer Klima-Versicherungsrating, das wir im März veröffentlicht haben. Begleitend haben wir ein Webinar für Medien sowie eines für unsere Community veranstaltet. Letztere baten wir zudem zwei Mal, ihrer eigenen Versicherung eine Nachricht zu schreiben und sie aufzufordern, ihre Richtlinien zu verbessern. Daraus entstand unter anderem ein Dialog mit der Vaudoise, die im Rating am schlechtesten abgeschnitten hat.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Geschäften mit Flüssiggas von Swiss Re, Zurich und Helvetia. Flüssiggas ist weit klimaschädlicher als sein Ruf, doch es wird weltweit weiter aus- statt abgebaut. Gemeinsam mit der US-Partnerorganisation Rainforest Action Network haben wir die Schäden von Flüssiggasterminals an der US-Golfküste sichtbar gemacht. Mit einer Eil-Petition riefen wir die Versicherungen dazu auf, ihre Verträge nicht mehr zu erneuern. Anschliessend organisierten wir ein Meeting zwischen Swiss Re und Betroffenen aus Louisiana und produzierten ein Video, in dem Betroffene die Schweizer Versicherungen direkt ansprechen. Dieses Video haben wir dann mittels Online-Werbung direkt an Angestellte der Versicherungen ausgespielt. Im Oktober waren wir mit einer kleinen Banner-Aktion am «Global Insurance Forum» präsent und im Dezember haben wir uns vor Swiss Re’s Haupteingang gestellt und Flyer zu LNG an die Angestellten verteilt.
Ebenfalls stand der Dialog mit den Versicherungen im Fokus. Campaignerin Nora Scheel stand insbesondere mit Swiss Re im regelmässigen Austausch und traf die Nachhaltigkeitsverantwortlichen der Zurich sowie der Helvetia zu Gesprächen. Zudem war sie an zwei Konferenzen (Re/insurance Outlook Zurich, Building Bridges in Genf) präsent.
Daneben realisierten wir kleinere Aktionen, beispielsweise haben wir das Sponsoring von Swiss Ski durch Helvetia sowie die Fusion von Helvetia und Baloise zum Anlass für kleinere Social Media Kampagnen genommen.
Weitere Klimakampagnen
Neben der Versicherungskampagne führten wir weitere Kampagnen im Bereich Klima. So unterstützten wir die Finanzplatzinitiative tatkräftig beim Unterschriftensammeln, forderten die UBS dazu auf, sich von der schädlichen East African Crude Oil Pipeline zu distanzieren und unterstützten den «People’s Summit» an der UN-Klimakonferenz COP mit Fundraising und einer Solidaritätsaktion in der Schweiz.
Es freut uns ausserordentlich, dass wir seit Juni 2025 durch unsere langjährige Campaignerin Nora Scheel im Vorstand der Klima-Allianz vertreten sind. Das stärkt unsere Mitarbeit in der Klima-Allianz und unsere Vernetzung mit anderen Klimaorganisationen.
Anti-Backlash
Weltweit sind rechts-autoritäre Gruppierungen auf dem Vormarsch. Auch in der Schweiz sind die Folgen der rechtsbürgerlichen Mehrheit im nationalen Parlament deutlich spürbar und die SVP sowie weitere rechts/extreme Gruppierungen betreiben – teilweise erfolgreich – aggressiv Kampagnen gegen Fortschritte in den Bereichen Gleichstellung, Rechte von LGBTQIA+, Klimaschutz und Migration. Wir sehen dieser Entwicklung nicht tatenlos zu und begannen daher 2025, aktiv Kampagne dagegen zu machen. Bereits seit Albert Röstis Amtsantritt weisen wir immer wieder öffentlich auf seine verfehlte Klima- und Umweltpolitik hin, beispielsweise mit einem eigens dafür bespielten Instagram-Account. Im Dezember lancierten wir zudem die Aktion «24 Fenster für die Demokratie». Während 24 Tagen war unsere Community dazu aufgefordert, mit täglichen, kleinen Challenges die Schweizer Demokratie zu stärken. Über 1’000 Menschen haben sich für die Aktion angemeldet und die Rückmeldungen waren durchweg positiv.
Gleichstellung
350 Millionen für die Sicherheit der Frauen
Das Jahr 2025 begann erschütternd: Acht Feminizide in den ersten acht Wochen zeigten die Spitze eines Problems, das durch politische Untätigkeit und Unterfinanzierung des Gewaltschutzes begünstigt wird. Gemeinsam mit Brava, den SP Frauen und über 50 Organisationen lancierten wir im Februar eine Petition mit einer klaren Forderung an den Bundesrat: 350 Millionen Franken für die Umsetzung der Istanbul-Konvention.
Da Schutzangebote wie Frauenhäuser chronisch überlastet sind, verlieh unsere Kampagne der Wut über dieses Versagen eine Stimme. Der Druck wirkte: Wir wurden zum runden Tisch mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider eingeladen, wo wir deutlich machten, dass der Schutz von Frauenleben nicht verhandelbar ist.
Doch die Realität blieb grausam: Bis September stieg die Zahl der Opfer auf 24, mehr als im gesamten Vorjahr. In einer koordinierten Aktion schrieben wir 2’469 Parlamentarier*innen auf allen Ebenen direkt an. Unsere Botschaft: Feminizide sind kein Zufall, sondern die Folge versagender Strukturen. Wir forderten Haltung und konkrete Taten statt blosser Betroffenheit.
Wie wenig das Thema im Parlament teils gewichtet wird, zeigte die Budgetdebatte Ende Jahr: Trotz 27 Feminiziden lehnte der Nationalrat eine Million Franken für die Istanbul-Konvention zunächst ab. Wir reagierten sofort: Innerhalb weniger Stunden versendeten über 1’100 Unterstützer*innen E-Mails an die Ständerät*innen. Der Druck zeigte Wirkung: Der Ständerat lenkte ein und sprach nicht nur die eine Million, sondern auch die Budgeterhöhung um 1,5 Mio. für Projekte gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Ein bitter nötiger Erfolg, der jedoch schonungslos aufzeigt, wie hart wir in der Schweiz weiterhin um jeden Franken gegen geschlechtsspezifische Gewalt kämpfen müssen.
EM-Kampagne
Rund um die Frauen-Fussball-EM 2025 in der Schweiz haben wir mit unserer Kampagne «Sexismus abpfeifen» ein unüberhsehbares Zeichen gegen sexualisierte Gewalt und Diskriminierung im Fussball gesetzt. Wir forderten vom Schweizer Fussballverband (SFV), dass er Verantwortung übernimmt und über blosse Lippenbekenntnisse hinausgeht. Den Auftakt bildete unsere Petition am 8. März, mit der wir eine klare Positionierung gegen Sexismus sowie die Schaffung unabhängiger Anlaufstellen und verbindlicher Präventionsprogramme verlangten.
Um unseren Forderungen die nötige Sichtbarkeit zu verleihen, haben wir spektakuläre Aktionen realisiert und unterstützt: Am Rheinfall ermöglichten wir in Zusammenarbeit mit einem Künstler eine starke symbolische Aktion, bei der über 100 Mädchen mit Fussbällen ein Zeichen für den Nachwuchs setzten.
Einen echten Gänsehaut-Moment ereignete sich zudem im Berner Wankdorf-Stadion: Vor über 29’000 Zuschauenden entrollten wir ein riesiges Banner mit der Botschaft #stopsexism. Damit haben wir das Schweigen über sexistische Kommentare und Machtmissbrauch mitten in die Arena getragen und klargestellt, dass wir diese Zustände nicht länger dulden.
Nach der Petitionsübergabe hatten wir die Chance auf ein persönliches Gespräch mit dem Zentralpräsidenten des SFV, Dominique Blanc und Generalsekretär Robert Breiter. Wir haben unmissverständlich klargestellt, dass der Schutz von Spieler*innen vor Diskriminierung oberste Priorität haben muss. Zwar wurde unser Vorschlag für einen konkreten Leitfaden zur Prüfung aufgenommen, doch das Treffen zeigte ebenfalls, dass das Thema beim SFV strukturell noch längst nicht ernst genommen wird.
16 Tage gegen Gewalt an Frauen: Geschlechtsspezifische Gewalt und Behinderungen
Während der «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» unterstützten wir Agile und das Netzwerk Avanti dabei, Gewalt an Frauen und queeren Personen mit Behinderungen sichtbar zu machen. Diese Gruppe trägt ein bis zu viermal höheres Risiko für Übergriffe, stösst aber auf ein kaum barrierefreies Hilfesystem, so sind schweizweit nur zwei Frauenhäuser rollstuhlgängig. Wir begleiteten die Übergabe von mehr als 5’800 Unterschriften in Bern, bei der eine gehörlose Aktivistin eindrücklich darlegte, wie physische und kommunikative Barrieren den Weg aus der Gewalt verhindern.
Kampagne für den Schutz der Wölfe
Das Jahr markierte mit dem Inkrafttreten der neuen Jagdverordnung einen massiven Rückschlag für den Artenschutz. Die präventive Dezimierung ganzer Wolfrudel wurde zur traurigen Realität. Doch wir liessen das nicht unbeantwortet: Bei einer gemeinsamen «Rösti-Koch-Aktion» vor dem Bundeshaus trafen wir auf Bundesrat Albert Rösti höchstpersönlich. Er stellte sich einem kurzen Gespräch, wobei klar wurde, dass unser Widerstand bis in die höchsten Kreise wahrgenommen wird.
Im Oktober wählten wir eine riskante, aber effektive Taktik, um die festgefahrene Debatte aufzumischen. Mit einer satirischen digitalen Kampagne im Stil des Schweizer Bauernverbands (SBV) führten wir dessen Positionen in Bezug auf den Umgang mit dem Wolf in der Schweiz ad absurdum. Gleichzeitig veröffentlichten wir wissenschaftliche Fakten, die für mehr Herdenschutz und gegen die Jagd auf die Wölfe sprechen. Die Reaktion liess nicht lange auf sich warten: Ein entnervter und wütender SBV reagierte öffentlich und per Email auf unsere Kampagne. Als Antwort auf den Vorwurf des SBV, wir hätten keine Ahnung von der Praxis, besuchten wir jene, die es wissen müssen: Hirtinnen und Landwirte in fünf Kantonen. Das Resultat war ein eindrückliches Videoprojekt, das die Mär von der Unmöglichkeit der Koexistenz entlarvte. Die Praktiker*innen bestätigten: Herdenschutz funktioniert, braucht aber gesellschaftliche Akzeptanz und Respekt statt populistischer Abschussdebatten. Mit diesem Video trugen wir die Botschaft der friedlichen Koexistenz in die sozialen Netzwerke und bewiesen einmal mehr, dass die wissenschaftliche Faktenlage und die Praxiserfahrung auf unserer Seite stehen.
Gaza / Menschenrechte
Im Bereich Menschenrechte lag unser Augenmerk auf den andauernden Genozid an der palästinensischen Zivilbevölkerung in Gaza durch Israel und die Passivität der Schweizer Regierung demgegenüber. Höhepunkt der Aktivitäten war die Grossdemo in Bern am 21. Juni, bei der wir eine treibende Kraft waren. Gemeinsam mit einer Koalition von zahlreichen Parteien und Organisationen ist es uns gelungen, rund 20’000 Menschen zu mobilisieren und damit so viele wie noch nie zuvor bei einer Demonstration zu diesem Thema. Daneben führten oder unterstützten wir weitere kleinere Kampagnen, zum Beispiel Kampagnen auf ACT, unserer Petitionsplattform zur Schweizer Finanzierung der UNRWA oder zur Anerkennung von Palästina als Staat, oder eine Kampagne zu den Investitionen der Zurich Versicherung in Unternehmen, die am Genozid beteiligt sind.
Umweltschutz / PFAS Kampagne
PFAS, auch «Ewigkeitschemikalien» genannt, sind toxische und äusserst langlebige Substanzen, die sich sowohl in der Umwelt als auch in unserem Körper anreichern. Im vergangenen Mai führten wir eine Umfrage durch, um unsere Unterstützer*innen zu fragen, ob wir uns im Kampf gegen dieses Problem engagieren sollen. Die Sorge in der Community war deutlich – und die Kampagne für einen Ausstieg aus PFAS in der Schweiz fand rasch breite Unterstützung.
Zunächst lancierten wir eine Petition gegen die Lockerung des zulässigen PFAS-Grenzwerts in Lebensmitteln. Diese überreichten wir dem Nationalrat mit einer symbolischen Inszenierung eines «toxischen Restaurants». Die von der Petition betroffene Motion wurde seither mehrfach abgeändert und ist von beiden eidgenössischen Räten noch nicht verabschiedet worden.
Anschliessend führten wir eine Sensibilisierungsaktion mit Stickern durch, die in der ganzen Schweiz verbreitet wurden. Über einen QR-Code gelangen Interessierte direkt auf die Kampagnenseite und erhalten konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Im weiteren Verlauf konzentrierte sich die Kampagne auf PFAS-haltige Löschschäume – eine der wichtigsten Quellen der PFAS-Belastung. Wir untersuchten die Situation in allen Kantonen und lancierten zwei Petitionen, um jene Kantone, die noch im Rückstand waren, zu einer rascheren Umstellung auf PFAS-freie Alternativen zu bewegen. Wir werden überprüfen, ob diese Umstellung tatsächlich abgeschlossen wird. Da jedoch alle Kantone signalisiert haben, den Übergang so schnell wie möglich vollziehen zu wollen, kann diese Etappe der Kampagne vorerst als erreicht betrachtet werden.
Das Jahr endete mit der Veröffentlichung eines Berichts über die vom Bundesrat ergriffenen Massnahmen zur Bekämpfung von PFAS. Diese Massnahmen sind jedoch weitgehend unzureichend und setzen nicht an der Wurzel des Problems an. Die Kampagne wird daher 2026 fortgesetzt – mit anhaltendem Druck, damit auf Bundesebene wirksame Massnahmen beschlossen werden.
Rapid Response
Die Rapid Response ist ein Herzstück der Arbeit von Campax. Rapid Response bedeutet, dass Campax sofort auf wichtige Geschehnisse reagiert und Menschen mobilisiert. Für das Jahr 2025 möchten wir sechs Beispiele präsentieren:
Tierschutzskandal in Ramiswil
Im November 2025 erschütterte die Einschläferung von 120 verwahrlosten Hunden die Schweiz. Schnell wurden grundlegende Fragen laut: War der Tod der Tiere die einzig gangbare Lösung? Wie sind die Abläufe und Entscheidungsprozesse beim Veterinäramt verlaufen? Denn die Halterin der Hunde war den Behörden wegen Verstössen gegen das Tierschutzgesetz bereits bekannt und besass neben den Hunden auch Pferde und Ziegen, die sich ebenfalls in schlechtem Zustand befanden. Der Hof in Ramiswil SO wurde erst im Mai 2025 kontrolliert, mit dem Ergebnis, dass alles in Ordnung gewesen sei. Wenige Monate vor dem Tierschutzskandal hatte der Betrieb sogar eine Bio-Zertifizierung erhalten. Noch am Tag des Bekanntwerdens der Einschläferung der Hunde forderte Campax eine transparente Aufarbeitung und Offenlegung der Vorkommnisse und Abläufe im Fall Ramsiwil. Zudem verlangten wir eine rasche Verbesserung der Kontrollmechanismen sowie eine Aufstockung der Ressourcen des Veterinärdienstes. Weiter forderten wir die Einführung wirksamerer Strategien, etwa engmaschigere und strengere Kontrollen bei Verdachtsfällen auf Verstösse gegen das Tierschutzgesetz und bei eingehenden Tierschutzmeldungen. Oberstes Ziel: Ein solch tragischer Fall darf sich nicht wiederholen. Ein erster Zwischenerfolg liess nicht lange auf sich warten: Sibylle Jeker, zuständige Regierungsrätin des Kantons Solothurn, ordnete eine externe Untersuchung des Falls an. Im Dezember übergaben wir die Petition mit knapp 19’000 Unterschriften an Felix Schibli, den Leiter des Solothurner Amts für Landwirtschaft. Zur Übergabe erschienen neben zahlreichen TV- und Printmedien auch viele engagierte Mitglieder der Campax-Community. Im Anschluss an die offizielle Übergabe vertieften wir zudem in einem persönlichen Gespräch mit Felix Schibli unsere Anliegen. Campax bleibt am Fall dran und wird sich erneut an die Behörden wenden, um die Ergebnisse der Untersuchung sowie die daraus gezogenen Konsequenzen einzufordern.
Das F-35-Debakel
Als im August erneut Diskussionen um die F-35-Kampfjets aufflammten, war klar: So geht es nicht weiter. Nach gescheiterten Verhandlungen mit den USA wurde deutlich, dass die Schweiz deutlich mehr für die Kampfjets bezahlen muss, als ursprünglich vereinbart und von der Stimmbevölkerung abgesegnet. Anstatt jedoch den Kauf grundsätzlich infrage zu stellen, hielt Verteidigungsminister Martin Pfister an den Kampfjets fest und prüfte andere Optionen wie eine Reduktion der Anzahl Jets oder gar die Aufnahme eines Zusatzkredits, die Rede war von 1,3 Milliarden zusätzlichen Kosten. Das war Anlass genug für den Start einer Petition. Darin forderten wir den sofortigen Stopp aller Verhandlungen zur F-35-Beschaffung, bis die tatsächlichen Gesamtkosten klar definiert sind. Zudem verlangten wir eine neue Volksabstimmung, bevor zusätzliches Geld aus dem Staatshaushalt freigegeben wird, sowie die Offenlegung und öffentliche Diskussion aller geleisteten Zahlungen und finanziellen Verpflichtungen. Innerhalb weniger Wochen kamen über 26’000 Unterschriften zusammen. Die Übergabe der Petition am Bundeshaus in Bern nutzten wir für eine kreative Protestaktion: Ein Aktivist, als Donald Trump verkleidet, entrollte von der Münsterterrasse in Bern eine riesige Quittung für die F-35-Kampfjets. Damit zog er nicht nur die Aufmerksamkeit zahlreicher Passant*innen auf sich, sondern auch jene der Medien. So machten wir nicht nur den Bundesrat, sondern auch die breite Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam. Für Campax heisst es nun: aufmerksam beobachten, was letztlich entschieden wird. Aktueller Stand ist, dass die Schweiz weniger als die geplante Anzahl Kampfjets beschaffen und keinen Zusatzkredit aufnehmen wird, um den von der Bevölkerung beschlossenen Finanzrahmen von sechs Milliarden Franken nicht zu überschreiten. Dennoch bleibt die Diskussion um diesen Waffendeal mit den USA insbesondere unter der Präsidentschaft von Donald Trump ein Spiel mit dem Feuer, was nicht zuletzt die Debatten um den Zolldeal mit der Schweiz sowie das innen- und aussenpolitische Verhalten der USA deutlich zeigen.
Demokratie statt Überwachungsstaat
Im Mai 2025 sorgte das geplante Bundesgesetz zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs für einen Aufschrei. Was zunächst technisch und abstrakt klingt, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als hochproblematische Vorlage. Zahlreiche IT-Fachexpert*innen und Betreiber von Schweizer IT-Firmen warnen explizit vor diesem Gesetz: Künftig sollen sich Nutzer*innen von Schweizer IT-Plattformen und -Diensten mit mehr als 5’000 Nutzer*innen zwingend identifizieren müssen – per Ausweis, Führerschein oder verknüpfter Telefonnummer. Doch damit nicht genug: Diese sensiblen Daten würden während sechs Monaten gespeichert. Über ein standardisiertes Verfahren könnte der Staat auf diese Daten zugreifen. Das käme einer anlasslosen, massenhaften Überwachung gleich, ein Instrument, wie man es aus autoritären Staaten kennt. Ausländische Grosskonzerne wie Meta oder Google wären von dieser Verordnung nicht betroffen. Die massiven Auflagen träfen Schweizer Anbieter wie Threema, Proton oder Infomaniak – Unternehmen, die für Datenschutz, Sicherheit und Vertrauen stehen. Für sie bedeutet das zusätzliche Kosten, rechtliche Unsicherheit und klare Wettbewerbsnachteile. Ausgerechnet in einer geopolitisch kritischen Zeit wird damit die digitale Souveränität der Schweiz untergraben und die heimische Tech-Branche geschwächt. Gemeinsam mit der Digitalen Gesellschaft haben wir deshalb eine Petition gestartet, die wir mit über 15’000 Unterschriften eingereicht haben. Wir fordern den Bundesrat und insbesondere den Vorsteher des EJPD, Beat Jans auf, diese massive Verschärfung umgehend zu stoppen.
Ticino Taxi
Die Rapid Response zum Ticino Taxi wurde rasch nach der Veröffentlichung von Medienberichten über Kurzstreckenflüge des Bundesrats veröffentlicht und forderte strengere Richtlinien sowie mehr Kontrolle beim Einsatz des Dienstjets. Besonders hervorzuheben ist die Medienresonanz: Für die symbolische Übergabe produzierten wir ein Video und Bildmaterial, das von mehreren Medien aufgegriffen wurde. Das Video wurde von 20 Minuten vollständig übernommen und das Aktionsbild breit gestreut. Die Kampagne zeigt beispielhaft, wie wir aktuelle Themen schnell aufgreifen und mit klaren Forderungen in die Öffentlichkeit tragen. Durch die starke visuelle Aufbereitung und die gezielte Medienansprache gelang es, innerhalb kurzer Zeit hohe Aufmerksamkeit zu erzeugen und eine Diskussion über verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern und Ressourcen anzustossen.
#SkinnyTok
Im Mai dieses Jahres hat sich ein ungesunder Trend mit beunruhigender Geschwindigkeit in den sozialen Netzwerken verbreitet. Unter dem Hashtag #SkinnyTok haben Inhalte, die extremes Dünnsein verherrlichen, eine gefährliche Sichtbarkeit erreicht. Sie verstossen gegen die Regeln der sozialen Netzwerke, werden aber weder moderiert noch gelöscht. Nach einer kurzen Umfrage, um herauszufinden, wie wichtig dieses Thema für unsere Community ist, haben wir eine Petition gestartet, um TikTok und Instagram aufzufordern, ihre Richtlinien zur psychischen und verhaltensbezogenen Gesundheit einzuhalten und diese gefährlichen Inhalte schnell zu moderieren. Pro Juventute, Association Boulimie Anorexie und die Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen unterstützten unser Anliegen. Einen Monat später, am Welt-Tag der Essstörungen, haben wir unsere Petition beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) eingereicht. Wir wurden von Vertreter*innen unserer Partnerorganisationen begleitet. Unter dem Druck weltweiter Mobilisierungen hat TikTok die #SkinnyTok-Inhalte durch eine Sensibilisierungsbotschaft zum Thema Essstörungen ersetzt, mit einem Link zu Anlaufstellen, an die man sich wenden kann. Danach haben wir eine E-Mail-Aktion an Instagram gestartet, damit sie dem Beispiel von TikTok folgen.
Gipfelzytig
Das Bündner Gratisblatt «Gipfel Zytig» veröffentlicht immer wieder rassistische Grafiken und Texte. Da auch juristische Verurteilungen nicht gewirkt haben, haben wir uns an das Davoser Gewerbe gewandt mit der Forderung, nicht mehr in der Zeitung zu inserieren. Wir haben eine Petition lanciert, Briefkasten-Sticker produziert und eine Email-Aktion an die Post sowie das Elektrizitätswerk Davos gemacht, welches regelmässig in der Gipfel Zytig inseriert. Mit letzterem haben wir uns auch zu einem Gespräch getroffen, was schliesslich der Ausschlag dazu gegeben hat, dass der Redakteur der Gipfel Zytig in einem Beitrag in seiner eigenen Zeitung gelobte, keine rassistischen Inhalte mehr zu veröffentlichen – ein grosser Erfolg nach einer kleinen, aber wichtigen Kampagne.
Eidgenössische Abstimmungen 2025
Campax beteiligte sich mit Mobilisierungs- und Überzeugungsarbeit für vier nationale Abstimmungen 2025. Das betraf die Umweltverantwortungsinitiative, die Vorlagen zur E-ID und zur Abschaffung des Eigenmietwerts sowie die Initiative für eine Zukunft.
Umweltverantwortungsinitiative
Am 9. Februar 2025 haben wir über die Umweltverantwortungsinitiative (UVI) abgestimmt. Sie verlangte, dass unsere Wirtschaft die Umwelt nur so stark belasten darf, wie diese es verkraften kann. Damit sollen die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit erhalten bleiben. Campax hat im Januar für ein JA mobilisiert – leider ohne Erfolg. Alle Kantone lehnten die Vorlage ab und 69,8% der Stimmenden sagten Nein.
Abschaffung des Eigenmietwerts
Ende September hat die Schweiz darüber abgestimmt, ob der sogenannte Eigenmietwert abgeschafft werden soll. Die Vorlage war umstritten, auch viele Campax-Unterstützer*innen – insbesondere diejenigen mit Eigenheim – wollten in Zukunft kein «fiktives Einkommen» mehr versteuern müssen. Doch auch viele Unterstützer*innen waren mit der Position von Campax einverstanden, für die wir Abstimmungsmobilisierung betrieben: Wir kritisierten an der Vorlage, dass sie vor allem wohlhabende Eigentümer*innen steuerlich entlastet werden, während Steuerausfälle von der Allgemeinheit und besonders vom Mittelstand, von Mieter*innen und jungen Familien kompensiert werden müssen. Jedoch entschied das Stimmvolk letztlich mit gut 57% für die Abschaffung des Eigenmietwerts.
Einführung der E-ID
Am gleichen Tag, dem 28. September 2025, stimmte die Schweiz auch über die Einführung eines elektronischen Identitätsnachweises ab. Campax mobilisierte für ein JA, nachdem wir vor einigen Jahren noch gegen eine entsprechende Vorlage waren. Der springende Punkt, in dem sich die Vorlagen unterschieden: Die Datenhoheit bleibt jetzt beim Bund, der überdies verantwortlich dafür sein wird, die nötige Infrastruktur aufzubauen und das Vertrauen in das Angebot sicherzustellen. Umso mehr freuten wir uns über die extrem knappe Zustimmung zur E-ID mit 50,39% JA-Stimmen. Da Campax die Bedenken des Nein-Lagers zum Teil als berechtigt erachtet, werden wir die Einführung der E-ID aufmerksam begleiten und bei Bedarf intervenieren.
Initiative für eine Zukunft
Im November schliesslich folgte die wohl am emotionalsten diskutierte Abstimmungsvorlage: Die Initiative für eine Zukunft forderte eine nationale Erbschaftssteuer von 50% für Superreiche mit einem Vermögen von über 50 Millionen Franken. Die Mehreinnahmen des Bundes wären in Klimaschutzmassnahmen geflossen. Campax hat die Vorlage unterstützt, da wir uns generell für eine gerechtere Steuerpolitik, für weniger Ungleichheit und für mehr Klimaschutz einsetzen. Trotzdem war von Anfang an klar, dass die Initiative einen schweren Stand haben wird – das Nein-Lager mobilisierte mit allen Mitteln, bürgerliche Angstmacherei und Wegzugsdrohungen von Überreichen waren in den Diskussionen omnipräsent, während die Vorteile, also die Argumente für mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Geld für Klimaschutz eher unter den Teppich gekehrt wurden. Dies führte dazu, dass trotz Mobilisierungsarbeit von Campax und dem JA-Lager letztlich nur knapp 22% der Stimmbevölkerung zustimmten.
Social Media
Auch 2025 bauten wir unsere Reichweite und die Anzahl der Interaktionen auf Social Media weiter aus und mobilisierten gezielt unsere Community.
Facebook verzeichnete insgesamt 1,1 Mio. Aufrufe, 20’492 Content-Interaktionen sowie 497 neue Follower. Der erfolgreichste organische Beitrag erzielte 129’065 Aufrufe, 4’052 Interaktionen und 697 Link-Klicks. Es handelte sich um ein Update zur Petition «120 tote Hunde – Aufarbeitung im Fall Ramiswil jetzt!», nachdem der Kanton Solothurn eine externe Untersuchung eingeleitet hatte. Die hohe Resonanz zeigt, dass der Tierschutzfall insbesondere unsere Community auf Facebook stark bewegt.
Instagram erreichte 978’017 Aufrufe, 23’407 Content-Interaktionen und 952 neue Follower. Der erfolgreichste organische Beitrag war ein Reel zum Entscheid des Ständerats für mehr Gelder zum Schutz von Frauen. Das Video erzielte 57’444 Aufrufe und 3’703 Interaktionen. Zum Erfolg beigetragen haben die schnelle Reaktion direkt nach dem Entscheid sowie die Zusammenarbeit mit dem fem.streikkollektiv.bern, wodurch zusätzliche Zielgruppen erreicht wurden.
Insgesamt zeigt sich: Besonders wirkungsvoll sind schnelle politische Einordnungen mit klarer Haltung, sichtbare Kampagnenerfolge («Unser Druck hat gewirkt») sowie strategische Kooperationen mit Partnerorganisationen.
Weitere Social-Media-Plattformen
Neben Facebook und Instagram betreiben wir auch LinkedIn, Bluesky und TikTok. Bisher nutzen wir diese Plattformen überwiegend für Crossposting, möchten sie aber langfristig gezielt aufbauen. Am 17. Januar 2025 haben wir unsere Aktivitäten auf X (ehemals Twitter) eingestellt. Die zunehmende Verbreitung von Hass und Desinformation auf der Plattform widerspricht unseren Werten und unserem Verständnis von demokratischem Diskurs. Daher haben wir uns zu diesem Schritt entschieden.
Petitionsplattform ACT by Campax
Im Jahr 2025 wurden auf der Petitionsplattform ACT by Campax 537 Petitionen gestartet. Insgesamt wurden 961’775 Unterschriften für die unterschiedlichsten Anliegen gesammelt. 2025 war für ACT zudem das Jahr, in dem wir die bisher meisten Erfolge seit der Gründung der Plattform hatten – genau gesagt 12 – also im Schnitt genau eine erfolgreiche Kampagne pro Monat! Die Entscheidung war schwierig, jedoch haben wir nachfolgend eine Auswahl der ACT-Kampagnen getroffen, über die wir berichten möchten.
Kastanienbäume Neumühlequai retten
Der Verein Klimastadt Zürich hat der Stadt Zürich 12'015 Unterschriften gegen den Kahlschlag der Kastanienbäume am Neumühlequai übergeben. Dank diesem Engagement – und 150 Einsprachen gegen das Projekt – hat die Stadt ihre Pläne überarbeitet und kommt zum Schluss, dass zumindest die riesigen, sehr alten Bäume zwischen Walchebrücke und Central weiterleben dürfen. Zudem sollen elf der jüngeren Bäume zwischen Walchebrücke und Drahtschmidli nicht gefällt, sondern umgepflanzt werden.
Verlängerung des Auszugsdatums für die Mietenden der Viktoriastrasse
Nachdem ein Artikel auf tsri.ch erschienen war, meldete sich Jared vom ACT-Team bei der Journalistin Isabel. Er bat darum, den Kontakt zu der im Text erwähnten Person herstellen zu dürfen, der gekündigt worden war. Die Betroffene meldete sich daraufhin bei Jared und die beiden koordinierten sich, um eine Kampagne für die Verlängerung des Auszugsdatums zu starten. Die Kampagne wurde schnell lanciert und ebenfalls schnell zum Erfolg. Die Petition lief nur rund drei Wochen lang, bis die gute Nachricht kam. Die Forderung wurde erfüllt: der Vermieter hat das Auszugsdatum verlängert.
Von Baden direkt nach Bern: IR16 retten!
Der Einsatz der Grünen Aargau hat sich gelohnt! Am 11. März 2025 hat der Ständerat der Motion zum Erhalt des IR16 zugestimmt. Das ist ein Sieg für die Region Baden und Brugg, aber auch für alle anderen Direktverbindungen aus mittelgrossen Zentren. Die über 4’000 Unterschriften der ACT-Petition trugen einen wichtigen Teil dazu bei, die Ständerät*innen dazu zu bewegen, die Motion anzunehmen.
Sicherer Schulweg für unsere Kinder – Tempo 30 an der Triemlistrasse
Die Stadt Zürich hat rasch reagiert und für einen Teil der Triemlistrasse Tempo 30 eingeführt. Der gefährliche Fussgänger*innenstreifen bei der Baustelleneinfahrt, über den viele Kinder in den Kindergarten und zur Schule gehen, ist mit Tempo 30 und der neuen Fussgängerinsel deutlich sicherer geworden. Die Petitionsstarter*innen führten eine beispielhafte Kampagne und sind überglücklich, dass ihr Anliegen gehört wurde.
Fribourg doit accueillir des enfants blessés de Gaza !
Nach einer blitzschnellen Kampagne hat der Freiburger Staatsrat seine Entscheidung überdacht und zugestimmt, ein verletztes Kind aus Gaza aufzunehmen. Das ist zwar noch nicht das, was die Petition ursprünglich forderte, nämlich mehrere Kinder aufzunehmen, aber es ist ein Anfang und ein echter Paradigmenwechsel. Der Entscheid macht den Weg frei, um in Zukunft weitere verletzte Kinder aus Gaza aufzunehmen. Die Initiant*innen bleiben dafür weiterhin engagiert
Für eine FAIRE Elternzeit – Hände weg vom Mutterschutz!
Die EKdM (Eidgenössische Kommission dini Mueter) führte eine starke Kampagne für eine faire Elternzeit und den Mutterschutz. Die Petition traf einen Nerv und sammelte über 40’000 Unterschriften in mehreren Sprachversionen. Damit wurde ein deutliches Zeichen gegen die Schwächung des Mutterschutzes und für eine echte, zusätzliche Elternzeit gesetzt. Ein Höhepunkt der Kampagne war die Übergabe der Unterschriften in Bern. Gemeinsam mit einer engagierten Gruppe von Unterstützer*innen überreichten wir die Forderungen der Bundeskanzlei. Die Aktion zeigte eindrücklich, wie breit das Anliegen abgestützt ist und wie wirkungsvoll zivilgesellschaftliche Mobilisierung politische Debatten prägen kann.
Retten Sie den Giftnotruf (📞 145) !
Die grösste ACT-Kampagne des Jahres und eine der grössten in der Geschichte der Plattform (mit über 117’388 Unterschriften!) hat ein gutes Ende genommen: Zweimal JA! Nach dem Ständerat (800'000 CHF) sagt auch der Nationalrat Ja – mit 1,1 Mio. Franken – zur dringend nötigen Finanzierung von Tox Info Suisse, das mit ihrer Dienstleistung einen so zentralen Dienst für die Bevölkerung und die medizinische Grundversorgung erbringt. Eine hervorragende Kampagne, beendet mit einer grossartigen Übergabe in Bern: Mehr muss man dazu nicht sagen.
Locarno: don't touch the screen!
Ein motiviertes Komitee aus Locarno hat es geschafft, die beliebte Leinwand von Livio Vacchini zu retten. Der Verwaltungsrat des Locarno Film Festivals hat fünf Monate nach dem Start der Petition darüber diskutiert. Das erfreuliche Ergebnis: Die Entscheidung ist zugunsten der Wiedereinführung der historischen Struktur im Jahr 2026 und höchstwahrscheinlich auch im Jahr 2027 ausgefallen.
Mädchenbeschneidung & Zwang und Gewalt unter der Geburt
Wir möchten auch über zwei Kampagnen berichten, die in Zusammenarbeit mit zwei engagierten Frauen, Sara Aduse und Gina Tanner Goibine, durchgeführt wurden. Sara Aduse hat die Kampagne «STOP Mädchenbeschneidung – für selbstbewusste, freie und gesunde Frauen!» lanciert, die über 23’000 Unterschriften gesammelt und viel Aufmerksamkeit in den Medien und der Politik erregt hat. Die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli hat sie zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, um über das Thema zu diskutieren. Gina hingegen hat sich für die Kampagne «Stoppt Zwang und Gewalt unter der Geburt!» engagiert, die mit einer beeindruckenden Übergabe der Unterschriften in Bern gekrönt wurde. Am 25. November 2025, dem Rose Revolution Day, verwandelte sich die Berner Bundesterrasse in einen bewegenden Gedenkplatz. Ein handgemaltes Spitalbild diente als Fläche für zahlreiche Rosen – Symbole des Gedenkens an die Frauen, die in der Schweiz unter Zwang und Gewalt bei der Geburt leiden mussten. Mit dem Slogan «Frauenzentriert statt Gewinnorientiert» wurden über 7’000 Unterschriften an die Bundeskanzlei übergeben. Ein zutiefst emotionaler Moment: Gina machte deutlich, dass sie diesen Kampf nicht für sich selbst führt, sondern für alle Mütter, damit künftige Generationen eine würdevolle und gewaltfreie Geburt erleben dürfen.
Sammlung von Kampagnen zum gleichen Thema
Kampagnen-Sammlungen oder «Efforts», wie wir sie nennen, sind sehr wichtig, weil sie engagierten Menschen zeigen, dass sie nicht alleine sind und viele andere für gleiche Anliegen kämpfen, nur in anderen Quartieren oder Gemeinden. 2025 haben wir uns darauf konzentriert, drei «Efforts» zu den Themen Bleiberecht, Recht auf bezahlbaren Wohnraum und Tempo 30 zu fördern. Ziel ist es, Synergien zwischen den Kampagnen zu nutzen und eine solidarische Gemeinschaft zu schaffen, in der sich Engagierte gegenseitig bei verwandten Anliegen unterstützen.
Der Effort-Schwerpunkt lag vor allem in der zweiten Jahreshälfte auf dem Thema Bleiberecht. Wir haben Kampagnen unterstützt, die sich gegen die Ausschaffungen von Rojda und ihrer Tochter, von Mert und der Familie J. eingesetzt haben. Die Kampagne für die letztgenannte Familie war zu unserer grossen Freude erfolgreich. Wir sind uns dennoch bewusst, dass das Thema Bleiberecht sehr sensibel ist, die Lebensrealitäten und Schicksale ganzer Familien daran hängen und diese Themen deshalb mit einer grossen Verantwortung einhergehen. Petitionen können in solchen Bemühungen punktuell positiv wirken, dennoch braucht es hier vor allem politische Veränderung.
Community
Einmal pro Monat organisieren wir den Community Monthly Call, um uns auszutauschen, spannende Referate zu hören und um die Verbindung zu unserer Community zu stärken. Je nach Thema findet er online oder offline statt. Beispielhaft für 2025 möchten wir folgende Anlässe kurz Revue passieren lassen:
- Im Februar organisierte Campax ein Webinar mit Agnes Jezler, Expertin von Greenpeace, zum Thema Wachstumskritik. Die Teilnehmenden setzten sich mit den Herausforderungen unbegrenzten Wirtschaftswachstums auseinander: Wie lassen sich wirtschaftliche Entwicklung, Respekt vor planetaren Grenzen und soziale Gerechtigkeit vereinen? Welche Massnahmen sind möglich und wie ist der aktuelle Stand der Debatte in der Schweiz? Das Webinar bot die Gelegenheit, die Spannungen zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt besser zu verstehen und über nachhaltige Lösungen nachzudenken.
- Im Juni fand ein Webinar zum Thema sexualisierte Gewalt mit Agota Lavoyer statt, Expertin für geschlechtsbezogene Gewalt und Autorin der Bücher Jede_Frau und Ermutigt. Sie beantwortete zentrale Fragen: Was ist sexualisierte Gewalt? Wo beginnt sie? Wie wird sie in der Gesellschaft verharmlost oder reproduziert? Und wie können Betroffene unterstützt werden oder selbst Hilfe finden?
- Im Juli organisierten wir ein erstes französischsprachiges Webinar zum Thema Genossenschaften für ökologischen Wandel. Olivier Reymermier, Generalsekretär der COMETE in Meyrin – die erste Genossenschaft für ökologischen Wandel in der Schweiz – stellte die Entstehung und Funktionsweise des Projekts vor. Das Webinar bot einen Einblick in solche lokalen Initiativen und zeigte auf, wie man sich einer Genossenschaft anschliessen oder selbst ein ähnliches Projekt in der eigenen Region starten kann.
- Im September besuchten Mitglieder der Campax-Gemeinschaft den Hof Narr, einen Pionierort in der Schweiz, der Tiere aus der Landwirtschaft aufnimmt und vor der Schlachtung bewahrt. Die Führung bot die Gelegenheit, diesen besonderen Ort kennenzulernen, über unsere Beziehung zu Tieren nachzudenken und sich innerhalb der Gemeinschaft auszutauschen.
Internes
Kommunikationsstrategie
Das schnelle Wachstum von Campax seit seiner Gründung sowie die häufig knappen Ressourcen haben zur Folge, dass die Wahrnehmung des Profils, der Arbeit und der Ziele unserer Organisation sehr heterogen ist. Deshalb haben wir nach dem Strategieprozess von 2024 eine Kommunikationsstrategie bis Ende 2027 erarbeitet. Eine klare, strategisch verankerte Kommunikationsstrategie soll uns befähigen, auch künftig kraftvoll, koordiniert und glaubwürdig extern zu kommunizieren, mit bestehenden und neuen Zielgruppen, auf allen relevanten Kanälen.
Folgende Punkte sind die Hauptziele der Strategie:
- Die Wirkung und Stärke der Kampagnen erhöhen
- Das Profil von Campax schärfen
- Ein breiteres Zielpublikum erreichen
- Die Verbindung zur Community vertiefen und Interaktionen pflegen
Technologie
Neben der laufenden Behebung technischer Probleme und der Weiterentwicklung unserer internen Prozesse optimierten wir mehrere Abläufe gezielt. Wir haben ein neues CRM getestet. Damit haben wir eine wichtige Grundlage geschaffen, um unsere technischen Systeme in Zukunft stabiler, effizienter und besser auf unsere Kampagnenarbeit abgestimmt weiterzuentwickeln.
Quality Management
Quality Management wurde in diesem Jahr als neuer Teilbereich aufgebaut und strukturiert verankert. Der erste Schwerpunkt lag auf der Verbesserung der E-Mail Qualität, insbesondere durch die Optimierung von Sampling und Redaktionsprozessen für unsere Inhalte. Zusätzlich haben wir daran gearbeitet, die Bildqualität bei Aktionen zu erhöhen, um Kampagnen visuell klarer und wirkungsvoller zu präsentieren.
Team
2025 war ein Jahr, in dem das Team sowie unsere neuen Bereiche und Abläufe sich stabilisierten. Wir haben unsere Equipe mit zwei Campaignerinnen verstärkt: Rebecca Signer, die sich vor allem mit Umweltschutzthemen beschäftigt und unsere Präsenz in der Romandie aufbaut und Caroline Scholl-Poensgen, die Fachkenntnisse sowie Erfahrungen als Aktivistin im Bereich Klima mitbringt. Caro hat die Position unserer Campaignerin Julia Gsell übernommen. Julia verabschiedete sich im April von uns, um eine lange Reise zu machen. Wir bedanken uns bei ihr für ihre wertvolle Arbeit sowie ihre Zeit als geschätzte Kollegin bei Campax. Hier findest du weitere Informationen zu unserem jetzigen Team.
Vorstand
Im Jahr 2025 gab es zwei Änderungen im Vorstand: Matthias Toffol, der sehr wichtige Arbeit im Bereich Finanzen geleistet hat, ist zurückgetreten. Wir bedanken uns herzlich für seine Unterstützung und die Motivation, die er immer mitgebracht hat.
Ausserdem ist der langjährige Präsident Benjamin Zumbühl vom Präsidium zurückgetreten, Campax jedoch als Vorstandsmitglied erhalten geblieben. Als neue Präsidentin und Vorständin haben wir eine sehr inspirierende, sachverständige und bestens vernetzte Frau gewonnen: Nora Wilhelm. Herzlich Willkommen, wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit.
Per Ende 2025 setzte sich der Vorstand wie folgt zusammen:
- Nora Wilhelm, Vereinspräsidentin von Campax. Sie ist Sozialunternehmerin und Advocate für Systemwandel. Bei Campax bringt sie ihre kollaborative Herangehensweise und ihre Erfahrung mit komplexen sozialen und ökologischen Herausforderungen ein.
- Benjamin Zumbühl, Geschäftsführer VCS Kanton Bern, Aktivist und Velo-Enthusiast.
- Tina Musil engagiert sich für Klimaschutz, Demokratie und Feminismus. Sie arbeitet seit Jahren in Leitungspositionen in den Bereichen Kommunikation und Fundraising, aktuell bei der Albert Schweitzer Stiftung in Deutschland.
- Balthasar Glättli, Nationalrat der Grünen, Inhaber Politbüro Kampagnen & Webdesign.
- Stefan Bamberger, Aktivist, Experte für Kommunikation und Talentförderung.
- Gina Vega, Ethnologin und Fachexpertin für gesellschaftliche Themen rund um Diskriminierungsschutz, Diversitäts- und Migrationsfragen.
- Ondine Riesen hilft Menschen sich weiterzuentwickeln. Für die Gesellschaft: als Mitgründerin von Ting, beruflich: als betriebliche Mentorin, privat: als Coach.
- Peter Bosshard, Klimaaktivist, mit 30 Jahren Erfahrung in den Bereichen Umwelt-, Menschenrechts- und Klima Kampagnen bei Public Eye, Sunrise Project und International Rivers.
- Christina Marchand, Klimaaktivistin, promovierte Chemikerin, tätig an der ZHAW im Bereich Innovation und Unternehmertum mit Schwerpunkt Energie.
Hier findest du mehr Informationen zu den Vorstandsmitgliedern.
Fundraising
Wir danken den 21’606 Menschen herzlich, die Campax im Jahr 2025 mit Spenden unterstützt haben! Spender*innen, Vereinsmitglieder, Change-maker und Klima-Pat*innen ermöglichen die Arbeit von Campax. Im 2025 haben wir 1’145.901.- Schweizer Franken an kleinen und mittelgrossen Spenden erhalten. Vielen herzlichen Dank!
Wir sind allen Menschen besonders dankbar, die dieses Jahr an unsere Arbeit geglaubt haben und uns trotz der herausfordernden Zeiten, in denen progressive Bewegungen und Förderstiftungen global unter Druck sind, stets unterstützt haben. Dank vielen Spender*innen konnten wir trotz Schwierigkeiten im Stiftungsfundraising das Jahr gut abschliessen und das für 2025 festgelegte Spendenziel von 1'290’000.- Schweizer Franken um 45'000.- Franken übertreffen. Dank dieser Unterstützung können wir nun mit voller Energie in die Zukunft blicken. Vielen Dank!
Wir bedanken uns ebenfalls herzlich für die Unterstützung, die wir im Rahmen unserer Kampagne «Zusammen Widerstand aufbauen» erfahren durften, welche wir Ende 2025 zum zweiten Mal in Folge durchgeführt haben. Vom 24. November 2025 bis zum Jahresende haben 2’561 Personen insgesamt 116’751.- Schweizer Franken gespendet. Diese Resonanz bestätigt, dass der Aufbau von Widerstand gegen den Rechtsrutsch für unsere Community weiterhin Priorität hat.
Rund 78,1% der im Jahr 2025 erhaltenen Spenden (895’903.- Schweizer Franken) waren frei verwendbar (darunter fallen auch regelmässige Beiträge von Change-maker sowie Vereinsmitgliedschaften). Das entspricht einer Steigerung von 4% gegenüber 2024. Dies verdeutlicht, dass unser Fokus auf der Stärkung der Bindung zu unserer Community sowie der Ausrichtung auf die Unterstützung der Arbeit von Campax als Organisation – anstatt für einzelne Kampagnen – erfolgreich verläuft. Diese Strategie ermöglicht Campax weiterhin solide, schnelle und wirkungsvolle Kampagnen zu entwickeln und hilft gleichzeitig dabei, Ressourcen gezielt auf die Themen zu konzentrieren, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Über die Petitionsplattform ACT erhielten wir 25,31% der Spendenerträge. Damit sind der Betrieb und die Betreuung der Plattform sowie die kostenlose Unterstützung der Petitionsstarter*innen durch das ACT-Team weiterhin abgesichert. Die Spenden erhielten wir im Rahmen der insgesamt 537 Kampagnen, die auf ACT lanciert wurden. Davon waren 44 Kampagnen und 22 Rapid-Responses, die von Campax selbst gestartet wurden. Dieser Zuwachs ist auf den für dieses Jahr definierten strategischen Fokus zurückzuführen: das Wachstum der Plattform sowie die Expansion in die Westschweiz. In dieser Hinsicht sind die Ergebnisse äusserst zufriedenstellend.
Zusätzlich konnte Campax auf die Unterstützung von Stiftungen zählen. Insgesamt haben wir dank Förderbeiträgen 189’643.- Schweizer Franken erhalten. Dies entspricht einem Rückgang von 64% im Vergleich zum Vorjahr 2024. Von Stiftungen finanziert wurde eine Kampagnen im Bereich Umweltschutz (PFAS) sowie die Klimakampagne, u.a. von The Sunrise Project, der Stiftung Corymbo, Broad Reach Foundation und der Patagonia Foundation.
Alle diese Beiträge führten zu kumulierten Einnahmen von 1’336’295.- Schweizer Franken. Das Gesamtergebnis ist gut; besonders hervorzuheben sind die Zunahme der Spenden über unsere Petitionsplattform ACT bei Campax sowie die allgemein guten Ergebnisse bei den Einzelspenden, die es uns ermöglicht haben, dieses Jahr mit einer positiven Bilanz abzuschliessen – trotz des Rückgangs und der schwierigen Situation bei den Fördergeldern von Stiftungen.
Wir danken allen Spender*innen und Stiftungen für ihre grosszügigen und wertvollen Beiträge im Jahr 2025.
Revisionsbericht, Bilanz und Erfolgsrechnung: