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«Jo, jo, i di au!» FEG Next Generation

Wie kann es sein, dass Aussagen von unserem Vater im Himmel, wie: «Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte» uns so wenig berühren? «Michi, ist die Zeit mit mir noch das Schönste in deinem Alltag? Ist es das, worauf du dich am meisten freust?» Diese Frage hätte mir Jesus wohl nicht gestellt, wenn es so gewesen wäre. Also bete ich: «Jesus hilf mir! Zeig mir, wie es mir wieder neu gelingen kann, dass meine Zeit mir dir das Wichtigste in meinem Alltag ist!»
Michael Dufner, Leiter Next Generation FEG Schweiz, michael.dufner @feg.ch

Bereits am nächsten Tag beginnt meine Lektion. Mein Sohn kommt ins Büro. Anders als sonst spüre ich einen göttlichen Vatermoment und werde innerlich bewegt. Ich betrachte meinen Sohn, einen jungen Mann, auf den ich sehr stolz bin. Er ist intelligent, witzig, grosszügig, hilfsbereit und, wie ich finde, bildhübsch. Also sage ich: «Ilias, i ha di u gern, du bisch es Gschänk.» Darauf mein Sohn: «Jo, jo Papi, i di au.» Er nimmt sein Handy und geht, ohne mich anzuschauen oder (emotional) auf das zu reagieren, was ich gesagt habe. Etwas perplex stehe ich da und spüre, wie Jesus zu mir durch den Vers aus Jer 31,3 sagt: «Michi, i bi stolz uf di, i ha di uh gern, du bisch mir mega wertvoll.» Schon fast instinktiv will ich antworten: «Jo, jo, i di au…», wenn nicht die Frage in mir aufgeschossen wäre: «Wie kann es sein, dass so wertvolle Zusprüche uns nicht tief(er) berühren?»

Die Frage treibt mich weiter rum und so beschliesse ich, in der Bibel zu lesen. Ich lese die Geschichte von Elia aus 1 Kön 17 und 19. Gewaltig, was der Prophet erleben durfte! Beten, und der Regen hört auf! Beten, und das Gefäss mit Mehl und Öl wird nie leer! Beten, und es fällt Feuer vom Himmel und 500 Philister müssen sterben! Gewaltig! Doch dann eine Drohung, die alles ändert: «Morgen um diese Zeit bist auch du ein toter Mann, das schwöre ich!» (1 Kön 19,2) Von der Angst gepackt flieht Elia. Er lässt seinen Diener zurück und findet sich letztlich in der Wüste, allein mit dem Gebet: «Lass mich sterben! Irgendwann wird es mich sowieso treffen, wie meine Vorfahren. Warum nicht jetzt?«

«Was ist passiert?» frage ich mich. «Hat er vergessen, was Gott getan hat? Welche Wunder er vollbracht hat? Die Frau, die ihm drohte, kann es doch nicht mit Gott aufnehmen!» Geführt vom Heiligen Geist kommt mir eine andere Geschichte in den Sinn: Josef. Ich beginne ab 1 Mo 37 zu lesen. Es packt mich und so verschlinge ich die Kapitel und staune! Josef musste viel Schweres erleben. Ganz im Gegenteil zu Elia. Nicht gewaltig, sondern brutal, grenzverletzend, Missbrauch, verlassen und vergessen werden! Nie kam mir der Gedanke, mit Josef tauschen zu wollen – während ich bei Elia schon dachte: «Das wäre cool, so etwas auch zu erleben.» Nein, was Josef erlebte, will ich nicht! Verstos­sen, verkauft, unschuldig verurteilt, ins Gefängnis geworfen, vergessen! Was hat Josef anders gemacht?

In mir wächst eine Ahnung. Eine tiefe Ruhe und Geborgenheit beginnt mich zu umgeben. Die Frage wächst: «Was ist das Allerwichtigste in unserem Leben? Sind es passende, für uns stimmige Umstände? Sind es Wunder, grosse Taten Gottes, damit alle sehen, dass wir den einzig wahren Gott auf unserer Seite haben? Ist es Erfolg, Geld, Materielles, ist es die Bestätigung zu gewinnen, Erster zu sein?

Was war das Geheimnis von Josef? Beim Lesen bleibe ich bei der Aussage stehen: «Wir finden für diese Aufgabe keinen besseren Mann als Josef, sagte der König, denn in ihm wohnt Gottes Geist!» (1Mo 41,38)

Für mich wird das Folgende an diesem Tag die Antwort von Jesus auf mein Gebet. «Jesus, ich möchte, dass die Zeit mit dir das Schönste in meinem Alltag ist.» Nicht nur, weil ich mich ihm aktuell total nahe fühle und ich merke, wie die Sorgen, Ängste, Zukunftsgedanken, Ideen, die ToDos verschwunden und von einer Ruhe und einem Frieden ersetzt worden sind, die mich total berühren – auch weil mir bewusst wird, dass es meine Entscheidung ist, wie ich in den Thronsaal Gottes, in seine Gegenwart komme. Will ich einfach «abgreifen», was ich meine zu brauchen und hoffe, er macht’s dann auch so? Oder trete ich ein, ehrfürchtig, bereit zu hören, und mit offenem Herzen? In Jak 4,8 steht: «Sucht die Nähe Gottes, dann wird er euch nahe sein!»

Keine Zeit dafür? Darum geht es nicht. Es geht um unsere Haltung. Höre ich zu, nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen? Das will ich noch mehr lernen. Bin ich dankbar? Reicht das, was ich habe, und danke ich Jesus dafür? Oder ist es nur meine Strategie, um noch mehr zu erhalten? Das will ich noch mehr lernen! Bin ich bereit, bereit dem Geist Gottes zu vertrauen und mich ihm zur Verfügung zu stellen? Meine Pläne anzupassen? Das will ich noch mehr lernen!

Letztlich geht es um die Frage: Was leitet dich? Was andere von dir sagen, über dich denken? Der Beifall, die Likes, die Anerkennung durch gute Arbeit – oder ist es Gottes Wort? Ich will es noch mehr lernen, ihm und seinem Wort zu glauben.

Was jetzt passiert? Ich darf viel öfters erkennen, wo Gott Dinge vorbereitet hat, wie ich die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt der richtigen Person sagen darf. Zu sehen, wie meine Worte als göttlichen Zuspruch diese Person erreichen, begeistert mich und genügt. Gottes Nähe verändert alles!

«Jesus, ich möchte, dass die Zeit mit dir das Schönste in meinem Alltag ist.»