Vor einiger Zeit wies mich mein Cousin, der im Ruhrgebiet (DE) lebt, auf einen Zeitungsartikel hin. Niemand wollte mehr den Kurierdienst übernehmen. Und so traf DHL im vergangenen Jahr eine nicht unumstrittene Entscheidung: Ein 20-stöckiges Wohnhaus im Duisburger Stadtteil Hochheide sollte künftig nicht mehr mit Paketen beliefert werden. Das Unternehmen reagierte damit auf einen dringenden Wunsch seiner Zusteller.
Sie alle wollten den «Weissen Riesen», wie der Wohnblock im Volksmund genannt wird, unter keinen Umständen mehr betreten. Tätliche Übergriffe waren an der Tagesordnung. Die Zusteller fühlten sich zunehmend bedroht. Obwohl das Medienecho gross war, blieb der Paketdienstleister bei seiner Entscheidung. Was sollte DHL auch tun, wenn keiner seiner Zusteller bereit war, in das «verruchte» Haus zu gehen? Und so mussten sich die Bewohner selbst auf den Weg zur nächsten DHL-Filiale machen, um ihre Pakete in Empfang zu nehmen.
Auch im Todesjahr des Königs Usija suchte Gott einen Boten, einen Mann, der bereit war, in ein «verruchtes» Volk zu gehen. Kein besonders attraktiver Auftrag. Aber Jesajas Hand schnellte sofort in die Höhe. Kein Zögern, kein Zaudern. «Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! (Jesaja 6,8)
Hatte Gott bessere Argumente als DHL? War
Jesaja ein aussergewöhnlich mutiger Mann? Wohl kaum. Jesaja war ergriffen von der Nähe Gottes und überwältigt von seiner Barmherzigkeit. Diese Erfahrung befähigte ihn, sich ohne Zögern und ohne Absicherung senden zu lassen.
Und genau hier liegt die Herausforderung für uns heute: Als Christen und Gemeinden sind wir Boten mitten in unserem Alltag, in unserem Umfeld, in unserer Stadt. Wo die gute Nachricht von Jesus ihre Dynamik entfaltet, verändert sie nicht nur einzelne Menschen, sondern prägt die ganze Kultur einer Gemeinde. Gemeindeaufbau lebt deshalb nicht zuerst von Konzepten und Strategien, sondern von der Wiederentdeckung des Evangeliums als «Gottes Kraft».
Das wirft Fragen auf: Wie können wir das Evangelium so kommunizieren, dass es die Menschen in ihrer ganzen Lebenswirklichkeit erreicht? Und wie zeigen wir Menschen, die noch keine Christen sind, die Schönheit einer Botschaft, die ihre verändernde Kraft bis heute nicht verloren hat? Mit dem Schwerpunkt Kirche für andere, der uns in den nächsten Jahren begleiten wird, wollen wir genau dies in den Mittelpunkt stellen und uns darin gegenseitig herausfordern lassen.
Denn die gute Nachricht wartet nicht in einer «Filiale» darauf, abgeholt zu werden. Sie braucht Boten, die sich senden lassen. Menschen wie Jesaja und Menschen wie du und ich.