Natur und Genuss in Südfrankreich Eine reise in die Départements drôme und ardèche

Zwischen Märkten, Michelin-Sternen und Weinbergen tauchen wir ein in die französischen Genuss-Regionen Drôme und Ardèche. Unterwegs treffen wir engagierte Produzenten und Gastgeber, die uns Landschaft und Kulinarik vorstellen.

Eine Multimedia-Reportage von Simone Eber

Die beiden Départements liegen südlich von Lyon, die Drôme überwiegend östlich, die Ardèche westlich der Nord-Süd-Autobahn. Idealer Ausgangspunkt für einen Besuch ist Valence, das auch per Zug sehr gut erreichbar ist. Die lebendige Hauptstadt der Drôme an der Rhône gilt als Tor zum Süden Frankreichs und kulinarische Hochburg. Das merkt man schon beim Besuch des traditionellen Marktes, der am Donnerstag- und Samstagvormittag auf der Place des Clercs stattfindet. Hier werden regionales Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Honig und frische Schnittblumen verkauft. Typisch sind die Pognes, ein buttriges ringförmiges Hefegebäck. Eine riesige Paella-Pfanne, aromatische Oliven und würzige Käsesorten ziehen die Kunden an. Die lassen sich viel Zeit beim Bummel über den Platz bei der Kathedrale Saint-Apollinaire und nehmen die angebotenen Produkte ganz genau in Augenschein.

Die Kulinarik-Begeisterung in Valence ist so groß, dass hier einmal im Jahr sogar ein viertägiges Festival rund um den Genuss veranstaltet wird (2026 vom 10. bis 13. September). Das Besondere daran: Valence en Gastronomie hat zwei Gesichter. Tagsüber ist es ein Markt auf dem weitläufigen Champ de Mars, wo Hersteller und Regionen ihre Produkte präsentieren. Besucher können am Eingang Coupons im Wert von zwei Euro erwerben und sie für Probierhäppchen an den Ständen eintauschen. Beim Verkosten von Bier, Wein, Honig, Ravioles (den französischen Ravioli), Käse, Gebäck oder Nougat kommt man schnell mit den Herstellern ins Gespräch.

An einem Abend verwandelt sich das Gastronomie-Festival in ein riesiges Gourmet-Restaurant: Die Nuit des Étoilés, also die Nacht der Sterneköche, bringen renommierte Sterneköche und junge Talente aus der Drôme und der Ardèche zusammen. Jeder Chef serviert seinen Beitrag für ein zehngängiges Menü mit passender Weinbegleitung in seinem eigenen Zelt. So wie Claude Brioude, der 2025 eine vegetarische Vorspeise kredenzte:

Um an der Nacht der Sterneköche teilzunehmen, erwerben die Gäste Tickets im Vorverkauf (ca. 60 – 70 €, Termin und genaue Preise für 2026 sind noch nicht veröffentlicht) und werden vor Ort in Gruppen aufgeteilt, die von Zelt zu Zelt flanieren. Ihnen bietet sich so die Gelegenheit, viele Geschmackseindrücke zu sammeln und passende Weine zu einem relativ günstigen Preis zu verkosten. Allerdings müssen sie sich auch auf Essen im Stehen und aus Einweggeschirr, einen hohen Geräuschpegel und eine ständige Rotation einstellen.

Von Valence aus geht es am nächsten Tag weiter nach Südwesten, hinein in die Ardèche. Im Kurort Vals-les-Bains treffen wir erstmals auf den gleichnamigen Fluss und besuchen den belebten Markt, der sich durch die Straßen schlängelt.

Der hübsche Kurort Vals-les-Bains ist von den Flüssen Ardèche und Volane (Foto) geprägt.
Der Markt von Vals-les-Bains ist ein beliebter Treffpunkt am Sonntagvormittag.

Mit kulinarischen Kostproben auf dem Markt halten wir uns allerdings lieber zurück. Schließlich haben wir in Vals einen Brunch geplant – in der Maison GabriELLE. Die Villa in Aussichtslage am Hang bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten und einen Pool. Der Brunch wird auf der traumhaften Terrasse in der typischen Keramik der Region serviert. Das Dorf Cliousclat etwa ist für seine traditionsreiche Produktion bekannt. Doch dem Geschirr wird schnell die Schau gestohlen von den immer neuen Köstlichkeiten der Region, die aus der Küche herbeigetragen werden. Eine Auswahl: Caprese mit saftigen Tomaten und aromatischem Olivenöl, Auberginen-Foccacia, Zitronen-Hähnchen, Käse, Pancakes mit Nüssen und Schokolade, Melone, Joghurt mit Früchten und als süßer Abschluss ein super-gehaltvoller Fondant de Châtaigne mit reichlich Butter, Crème fraîche und der in Drôme und Ardèche so beliebten Kastaniencreme.

Mit der typischen Keramik der Region wird der Brunch in der Maison GabriELLE serviert.
Von der Pool-Terrasse der Villa hat man einen tollen Ausblick über Vals-les-Bains und Umgebung.

Nach dem üppigen Mittagsmahl steht Kultur auf dem Programm. Wir fahren weiter ins nahe gelegene Aubenas. Das frisch restaurierte Schloss des Städtchens liegt mitten am Hauptplatz des Ortes, umgeben von Restaurants und Bars. 2024 wurde es als Zentrum für zeitgenössische Kunst eröffnet. Im halbjährlichen Wechsel sind hier Ausstellungen mit Werken internationaler, nationaler und regionaler Künstler zu sehen. Die unterschiedlichen Kulissen, die das restaurierte Schloss bietet, werden dabei geschickt für eine wirkungsvolle Inszenierung genutzt. So dienen historische Prunkräume genauso als Ausstellungsfläche wie Räume ohne Licht oder Treppenhäuser. Für die Verbindung mit der bergigen Landschaft der Ardèche sorgt auch hier wieder eine Aussichtsterrasse.

Das Schloss von Aubenas liegt mitten im Zentrum des Städtchens.

Die Architektur des Schlosses wird geschickt für die Inszenierung der Exponate genutzt.

Bei Führungen erfährt man mehr über die Geschichte des Schlosses.

Moderne Kunst und historische Kulisse bilden einen spannenden Kontrast.

Wo früher Feinde ausgespäht wurden, genießen Besucher heute den Blick über die Landschaft.

Was wäre ein Besuch der Ardèche ohne einen Abstecher nach Vallon-Pont-d’Arc? Allein die etwa einstündige Fahrt von Aubenas zu diesem Touristenmagneten mit seinem ikonischen Naturfelsenbogen über dem Fluss und der berühmten Grotte Chauvet mit ihren historischen Felsmalereien ist ein Erlebnis. Die Route folgt größtenteils dem Lauf der Ardèche und vermittelt auch aus dem Autofenster einen guten Eindruck von der Dramatik dieser Landschaft, die von hoch aufragenden Felsen über einem tief eingeschnittenen Flussbett geprägt ist. Wilde Ziegen und majestätische Adler sind hier ebenso zu beobachten wie eine ganz andere Spezies: Heerscharen von Kanuten, die die Ardèche vor allem in den Sommermonaten bevölkern und aus der Ferne wie ein Meer von bunten Tupfen wirken. Die mit Kanuverleihern gespickte Straße zum Pont d’Arc wird deshalb scherzhaft auch Boulevard des canoës genannt. In der Nebensaison geht es hier jedoch merklich ruhiger zu.

Um in die besondere Atmosphäre von Vallon Pont d’Arc einzutauchen, haben wir uns ein besonderes Ziel ausgesucht: Abgeschieden inmitten der eigenen Weinberge, doch zugleich in unmittelbarer Nähe zur Grotte Chauvet und zum Flussufer liegt das Hotel Villa Walbaum – umgeben von Zedern, Olivenhainen und Quellen. Die Familie Walbaum hat ihr historisches Gutshaus mit viel Geschmack und Fingerspitzengefühl zu einem Hotel umgewandelt, in dem Gäste historisches Ambiente, modernen Komfort und lokale Weinkultur erleben können. Mindestens genauso wichtig ist es Hotelier Ludovic Walbaum aber, ihnen die einzigartige Landschaft der Umgebung nahezubringen.

Wohl kaum eine Pflanze wird so sehr mit Südfrankreich in Verbindung gebracht wie der Lavendel. Wenn er zwischen Mitte Juni und Mitte August in Blüte steht und die Landschaft in zartes Lila taucht, zieht es besonders viele Touristen in die Region. Doch auch außerhalb der Blütezeit sind der Lavendel und seine vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten hier stets präsent. So auch in der Maison de la Lavande in Saint-Remèze, etwa eine halbe Stunde Fahrzeit von der Villa Walbaum gelegen. Der traditionsreiche Lavendel-Produzent hat sich ganz auf Besucher eingestellt. Sie können mit einem Touristenbähnchen durch die Felder fahren, im Shop Lavendel-Produkte wie Seifen, Öle oder Gewürze kaufen und sich im Bistro mit Lavendel-Limo, -Bier oder -Eis erfrischen. Ein kleines Museum informiert anschaulich über die Geschichte der Lavendel-Verarbeitung und erklärt, wie die Destillation vonstatten geht. Geschäftsführer Pascal Brun fasst zusammen, was die Gäste in der Maison de la Lavande erwartet:

Auf unserem Rückweg nach Valence legen wir noch einen Stopp in der Drôme ein. Denn in Montélimar gilt es eine Spezialität zu verkosten, für die Südfrankreich fast ebenso berühmt ist wie für den Lavendel: den Nougat de Montélimar, eine Süßigkeit auf Eier-Basis, die mit regionalen Zutaten wie Honig, Nüssen und Früchten verfeinert wird. Wie in der Maison de la Lavande geht es auch bei Nougats Arnaud Soubeyran nicht nur um den Einkauf. Besucher können sich in einem kleinen Museum über die Herstellung von Nougat informieren, den Mitarbeitern bei der Produktion über die Schulter schauen und im Restaurant einkehren. Wie genau der Nougat de Montélimar hergestellt wird und welche Zutaten hineinkommen, erklärt Quentin Honoré von Nougats Arnaud Soubeyran:

Eines haben wir auf unserer Reise durch Drôme und Ardèche gelernt: Egal, ob Nougat, Lavendel oder eine ausgefeilte Menü-Folge wie in Valence – die regionale Herkunft der Produkte, erstklassige Qualität und fachkundige Verarbeitung sind den Herstellern in diesen beiden Regionen eine Herzensangelegenheit. Genauso wie die Landschaft, die diese Produkte hervorbringt und so einzigartig macht.

Weitere Übernachtungs- und Genuss-Adressen

Hotel Victoria in Valence: günstig gelegen direkt gegenüber dem Bahnhof und wenige Gehminuten vom Gourmet-Festival-Gelände entfernt

Villa Elisa M in Aubenas (Foto links): charmantes Hotel mit kleinem Spa und Frühstücksservice aufs Zimmer in Laufweite zum Schloss

Restaurant l’Aubépine in Aubenas: Das sympathische Restaurant serviert ein Überraschungsmenü – beste Qualität und regionale Herkunft der Produkte sind dabei garantiert.

Domaine de Montine in Grignan: Hotel und Weingut mit großzügigen Zimmern und ausgezeichneter Küche, bei der besonders Trüffel im Mittelpunkt stehen. Nicht verpassen: Besichtigung des Schlosses von Grignan!

Fotos und Videos: Simone Eber