Gott macht Massarbeit FEG Persönlich mit Heini Kuhn

Ich bin auf dem Weg nach Unterseen, wo ich einen Kanzeltausch habe. Es muss 30 Jahre her sein, als ich das letzte Mal in dieser Gemeinde war, die damals noch zur VFMG gehörte. Obwohl sie erst neu den Status einer befreundeten FEG Gemeinde hat, ist bereits vieles im «FEG-Look» gehalten. Während der Fahrt bete ich zu Gott, dass er mir eine Person über den Weg schickt, die ich für das «FEG Persönlich» dieser Ausgabe interviewen kann. Und, Halleluja, er tut es!

Harry Pepelnar arbeitet mit Freude im Bereich FEG Kommunikation mit. pepelnar@gmail.com

Ein unerwartetes Wiedersehen

Heini Kuhn – das ist der Name meines Lieblings Lehrers aus meiner Zeit in Beatenberg. Wie er da vor uns sass, die blaue Schlachter-Bibel aufschlug und einen Bibeltext brillant auslegte! Seine Lehre war stets tiefgründig, praxisnah und tief im Leben verwurzelt. Absolut inspirierend. Und stell dir vor: Ausgerechnet Heini Kuhn kommt nach der Predigt in Unterseen auf mich zu. Er lobt mich für die Predigt und ist bereit, einen Einblick in sein Leben zu geben.

Heini Kuhn, mein ehemaliger Lieblingslehrer auf Beatenberg

Luft- und andere Kämpfe

Heini Kuhn wurde 1938 in Dübendorf geboren und erlebte seine ersten Lebensjahre während des Krieges. Obwohl die Schweiz nicht direkt involviert war, fanden über dem Flughafen Dübendorf immer wieder Luftkämpfe statt. Heini erinnert sich: «Diese Luftgefechte und die Sirenen haben meine Kindheit geprägt. Ich habe Nacht für Nacht schlecht geträumt und fühlte mich so elend, dass ich nicht mehr leben wollte.» Seine gläubigen Eltern waren Paul und Hanna. In der Küche diskutierten Mutter und Tante öfters über das Thema Endzeit. Heini hörte dabei gespannt zu. Als der Krieg schliesslich endete, rief ein Nachbarsjunge: «Frieden ist geworden!« Heini reagierte mit Furcht: «Als ich das hörte, versteckte ich mich. Denn aus den Gesprächen der Frauen kannte ich den Bibelvers: «Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.» (1Thes 5,3)

Wie bekehrt man sich?

Im Jahr 1945 zog die Familie nach Turgi, da der Vater eine Stelle bei Brown Boveri gefunden hatte. Es folgten schwierige Jahre, denn die Familie fühlte sich nicht willkommen. Heinis Lehrerin beispielsweise hasste Zugezogene, besonders wenn sie keine Katholiken waren. Darunter litten seine Schulnoten, obwohl es ihm nicht an Intelligenz mangelte. Mit zwölf Jahren durfte er an einem Bibellesebund-Lager teilnehmen. Heini berichtet: «Endlich hat mir jemand erklärt, wie man sich zu Jesus bekehrt. Mir ist dabei eine grosse Last abgefallen, und von da an ging es in meinem Leben aufwärts.»

Feinmechanik, Berufung und Feingefühl

Heini wählte seinen Beruf zielstrebig: «Als ich den Betrieb für die Feinmechanikerlehre besuchte, war mir klar: Das ist es!» Während seiner erfolgreichen Ausbildung wuchs er als aktiver Christ und hörte immer wieder, dass er für die Mission bestimmt sei. Beim Jugendtreffen in der Rämismühle erlebte er eine tiefgreifende Bestätigung, als eine sehr alte blinde Frau betete: «Herr, mach Heini zu einer Säule im Reich Gottes.» Diese Zusage genügte ihm. Im Blick aufs Missionsziel absolvierte er die Sanitätsrekrutenschule und sammelte danach noch sechs Monate Erfahrung im Liestaler OP-Saal. Was seine Persönlichkeit betrifft, überraschte er mich mit einem unerwarteten Einblick. Er bezeichnet sich als hochsensibel: «Ich habe erst spät verstanden, warum ich bei der täglichen Informationsflut so schnell überfordert war. Intensive Erlebnisse klangen tagelang nach.» Ein kleines Heft half ihm, dies einzuordnen. Heinis Fazit: «Zu wissen, wer ich bin, hat mir sehr geholfen. Gott macht immer Massarbeit – bis ins Detail.»

Sauber aufgeräumte Wohnung bei Heini in Beatenberg

Rosmarie und die Transistoren

Heinis Weg führte ihn zu einer theologischen Ausbildung in Beatenberg. Im dritten Semester wurde er angefragt, ob er bleiben und die Tonbandarbeit aufbauen würde. Und so blieb er in Beatenberg – bis heute.

Über sich selbst sagt er: «Meine Veranlagung als Analytiker und Perfektionist konnte ich in meinem Dienst gut anwenden. Ein Kollege sagte manchmal zu mir: Du wirst noch Transistoren heiraten!»

Als Lehrer, Chorleiter und lediger Mann war es oft schwierig, mit all den jungen und hübschen Schwestern umzugehen. «Wir durften damals mit weiblichen Wesen nicht über Persönliches reden», erinnert er sich. Beim Korrigieren einer Semesterarbeit über Jesaja von Rosmarie Widmer wurde ihm klar: Das ist meine Frau. Über Rosmarie schwärmt er: «Sie war ein ausgesprochener Beziehungsmensch und ein Riesengeschenk für mich. Denn nach dem Wechsel in der Werkleitung - von einem ausgesprochen preussischen Führungsstil zu echter Bruderschaft - musste ich erst all die angesammelten Altlasten los werden. Da war Rosmaries sanftes Wesen Balsam auf die erlittenen seelischen Wunden.» Vier Kinder und sechzehn Enkelkinder wurden dem Ehepaar geschenkt.

Aktive letzte Etappe

Ab 2010 zeigten sich bei Rosmarie erste Anzeichen von Demenz. Heini berichtet: «Rosmarie hat pro Jahr bis zu 1000 Aufgaben der Internet-Bibelschule korrigiert.» Ab 2014 ging es gar nicht mehr. «Ich will kein Dubeli werden», sagte sie damals zu ihrem Mann, was den tiefen Schmerz einer Person auf dem Weg in die Demenz ausdrückt. Im Jahr 2016 war es schliesslich Zeit für den Umzug in ein spezialisiertes Heim in Boltigen. Rosmarie blieb bis zum Schluss ein Segen: «Wenn die Krankenschwestern einen Aufsteller brauchten, gingen sie zu Rosmarie ins Zimmer und kamen mit einem Lächeln wieder heraus.» Sie starb 2020. Wir beenden unser Gespräch in Heinis schöner Alterswohnung mit Blick auf den Thunersee. Es gäbe noch vieles zu erzählen, aber ich habe nur zwei Seiten zur Verfügung. Zum Schluss sang er mir ein Lied von Peter Strauch vor: «Meine Zeit steht in deinen Händen.» Ein passender Abschluss!