Das Interview zum ANQ-Jahresbericht
Welche Themen haben den ANQ im Jahr 2025 beschäftigt? Josef Müller: Das Jahr stand im Zeichen der Veränderung. Entsprechend umfangreich war die Themenpalette, die der Vorstand zusätzlich zu den üblichen Geschäften behandelte. Besonders erwähnenswert: Wir haben die ANQ-Strategie geschärft und unsere Organisation angepasst. Damit sind wir gut aufgestellt, um den Mitgliederbedürfnissen und den stetigen Veränderungen in unserem Umfeld zu entsprechen. Petra Busch: Die Geschäftsstelle ist personell in den letzten Jahren gewachsen und langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen schrittweise in Pension. Diese personellen Veränderungen erforderten Überlegungen, wie wir die Aufgaben und Verantwortungen organisieren, den Know-how-Transfer für die Zukunft sicherstellen und die fachübergreifende Zusammenarbeit weiter stärken.
Josef Müller: Ein weiteres zentrales Thema war das Mandat, mit dem uns die Qualitätsvertragspartner nach Art. 58a KVG im stationären Spital- und Klinikbereich beauftragt haben. Es beinhaltet die Erarbeitung von Grundlagen für die Vertragsumsetzung, die Koordination der Audits in den Institutionen sowie die Berichterstattung zuhanden von Bundesrat und Eidgenössischer Qualitätskommission. Für die Geschäftsstelle war es das erste Umsetzungsjahr – und für den Vorstand das Jahr, in dem er die Rolle des ANQ und wichtige Finanzierungsfragen ab 2027 klärte.
Petra Busch: Zu den Schwerpunkten zählten auch die Massnahmen aus der Standortbestimmung. Diese bestätigte, dass unsere Arbeit für die Spitäler und Kliniken wertvoll ist. Sie zeigte aber auch, wo wir uns verbessern können. Mit der Weiterentwicklung der Messungen und der Ergebnispublikation nehmen wir diese Anliegen auf. Im Weiteren intensivierten wir im Rahmen der Strategie Wissenstransfer die Begleitkommunikation zu den Messungen und stärkten das Stakeholdermanagement. Zudem verabschiedete der Vorstand verschiedene Massnahmen, die zu Anpassungen im Kriterienkatalog für die Aufnahme von Messungen auf den ANQ-Messplan führten. Diese Kriterien sind für künftige Weiterentwicklungen massgebend.
Auf welche Meilensteine oder Weichenstellungen sind Sie besonders stolz? Petra Busch: In Zusammenarbeit mit den Qualitätsausschüssen, den Expertengruppen und den Kooperationspartnern ist es gelungen, gezielte Weiterentwicklungen umzusetzen oder einzuleiten. Diese reichen von weiteren Qualitätsindikatoren über die Nutzung von Routinedaten und schnellere Ergebnispublikationen bis hin zu Neuerungen auf den Online-Plattformen. Die Massnahmen zum Wissenstransfer machen mich ebenfalls stolz. Besonders positive Rückmeldungen gab es für das zielgruppenspezifischere Mailingkonzept. 2026 werden wir die Berichterstattung neu – das heisst konziser und besser verständlich – gestalten. Ein persönlicher Meilensteine stellte zudem mein 25-jähriges Jubiläum im Dienst des ANQ und seiner Vorgängerorganisation dar. Die Würdigungen durch Vorstand und ANQ-Team haben mich sehr berührt. Josef Müller: Von grosser Bedeutung war auch die Frage, wie die Umsetzung des Qualitätsvertrags nach Art. 58a KVG langfristig finanziert werden soll. Diese Frage war nicht nur für die Vertragspartner, sondern auch für den ANQ zentral. Ich bin stolz, dass wir eine Lösung gefunden haben, die für alle Beteiligten zukunftsträchtig ist.
Petra Busch: Das Mandat zeichnet sich auch durch die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Personen aus. Wir freuen uns sehr, dass der ANQ die Vertragsumsetzung weiterhin unterstützen darf. So können wir auch künftig einen Beitrag leisten, um die ANQ-Qualitätsmessungen mit den Massnahmen aus dem Qualitätsvertrag KVG zu vernetzen
Welche Begegnung war 2025 speziell wertvoll und motivierend für Sie? Petra Busch: An einer Tagung präsentierten die Versicherer ihre Erfahrungen mit den Qualitätsverträgen KVG. Dabei zeigte sich, dass sich eine gemeinsame Haltung und Sicht auf die Qualität etabliert hat. Als sehr wertvoll habe ich das grosse Engagement der ANQ-Gremien und den Rückhalt der Mitgliederorganisationen erlebt. Dafür danke ich allen Beteiligten ganz herzlich. Und schliesslich gab es sehr motivierende Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern aus anderen Versorgungsbereichen, die mehr über die ANQ-Messungen erfahren wollten.
Josef Müller: Von den vielen inspirierenden Begegnungen ist mir ein Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Spitälern, Kliniken, Patientenorganisationen und Politik speziell in Erinnerung. In der Diskussion über die ANQ-Messungen wurde deutlich, wie stark die Praxis auf unsere Daten angewiesen ist – und wie gross der Wunsch nach einer handlungsorientierten Aufbereitung der Messergebnisse ist. Diese Rückmeldungen haben mich sehr motiviert und gezeigt, dass wir in der Weiterentwicklung die richtigen Prioritäten setzen.
Was sind Ihre Schwerpunkte für 2026? Josef Müller: 2025 haben wir in den Messungen viele Veränderungen umgesetzt oder angestossen. Zudem brachte das Mandat der Qualitätsvertragspartner KVG neue Aufgaben. 2026 werden wir das Begonnene weiterführen und konsolidieren. Gleichzeitig wollen wir uns vorausschauend für die Zukunft positionieren. Deshalb werden wir im Strategieprozess auch neue Aufgaben und Geschäftsfelder diskutieren. Der ANQ könnte seine Kompetenzen in weiteren Bereichen einbringen. Die Qualitätsverträge KVG und die durch EFAS gestärkte integrierte Versorgung bieten interessante Chancen dafür.
Petra Busch: Wir wollen 2026 ein Bild davon skizzieren, in welche Richtung sich der ANQ entwickeln soll. Es sind spannende Ideen im Raum. Ich freue mich sehr darauf, diese gemeinsam weiterzuverfolgen. Persönlich geht es mir auch darum, die personellen und organisationalen Anpassungen an der Geschäftsstelle zu festigen. Für die Neuerungen im Rahmen der Berichtslegung und der Online-Plattformen sehe ich das kommende Jahr auch als Pilotjahr.
Welche Trends und Entwicklungen sind aus Ihrer Sicht für die Zukunft des ANQ relevant? Petra Busch: Die Qualität im Gesundheitswesen ist ein Querschnittsthema, das von vielen Seiten gesteuert wird. Wir sind gefordert, die Entscheide des Bundesrats und der Eidgenössischen Qualitätskommissionen sowie die kantonalen Planungen in unserer Arbeit zu berücksichtigen. Im Weiteren gilt es, die Strategien unserer Mitgliederorganisationen einzubeziehen und der hohen Belastung und dem Kostendruck der Spitäler und Kliniken Rechnung zu tragen. Josef Müller: Die laufenden Weiterentwicklungen legen deshalb den Fokus auf «schlanke» Messungen mit einem möglichst hohen Nutzen. Für die Zukunft des ANQ erachte ich zudem die wachsende Bedeutung der Qualitätsverträge als entscheidend. Die Patientenperspektive und PROMs werden noch wichtiger. Gleichzeitig verschärfen Personalmangel und Kostendruck den Bedarf an effizienten, gut nutzbaren Qualitätsinstrumenten. Der ANQ kann sich in diesem Umfeld als kompetenter, erfahrener und verlässlicher Partner positionieren.
Josef Müller ist seit Januar 2023 Präsident des ANQ. Hauptberuflich führte er während 20 Jahren die Psychiatrischen Dienste Graubünden, bevor er im Sommer 2024 zum CEO der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern ernannt wurde. Auf strategischer Ebene engagierte er sich unter anderem als Vorstandsmitglied von H+ Die Spitäler der Schweiz, als Präsident von H+ Bildung und als Vizepräsident der Schweizerischen Vereinigung der Spitaldirektorinnen und Spitaldirektoren. Dr. Petra Busch feierte 2025 ihr 25-jähriges Jubiläum als Leiterin der Geschäftsstelle des ANQ und seiner Vorgängerorganisation KIQ (Nationale Koordinations- und Informationsstelle für Qualitätssicherung im Gesundheitswesen). Zuvor war die promovierte Gesundheitsökonomin in verschiedenen Funktionen im Spitalamt der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern tätig.
Fotos: © Sandra Stampfli / ANQ Die Aufnahmen entstanden im Eventspace des Flexoffice Murifeld, wo jeweils auch die Mitgliederversammlungen des ANQ stattfinden.