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Kleine Crew auf großem Kurs

Segelabenteuer in den Kornaten in Kroatien

Das erste Mal auf einer Segeljacht. Und das als Familie in der Inselwelt der Kornaten in Kroatien, die sich entlang der kroatischen Küste zwischen Zadar und Šibenik erstreckt. Auto+Reise-Redakteurin Bettina Glaser hat dieses Abenteuer gewagt.

Eine Multimedia-Reportage von Bettina Glaser
Eine Jacht liegt im Hafen neben der nächsten - welche davon wird für eine Woche unsere sein?
Es ist die Magic Dreams. Magische Träume - so heißt die Segeljacht, zu der uns unser Skipper Helmut Hartinger führt. Das klingt nach einer vielversprechenden Reise. Die fünf Kajüten sind schnell an die fünf Erwachsenen und fünf Kinder verteilt. Wie in einem Wohnmobil verstauen wir alles sicher in den Schränken.

Skipper Helmut erklärt uns allen die Jacht. Und die Regeln. Das ist ziemlich viel am Anfang. Aber Helmut bleibt ja bei uns und wird uns die ganze Woche begleiten.

Schnell wird klar: Helmut ist der Chef. Er kommt ursprünglich aus Düsseldorf, ist aber schon mindestens 13 mal in seinem Leben umgezogen und wohnt, wenn er mal zu Hause ist, in Potsdam. Denn 30 Wochen im Jahr ist der gelernte Gärtner als Skipper auf See unterwegs und hat jede Menge Erfahrung. Wir sind überzeugt: Er wird unsere Segeljacht gut und sicher steuern. Und uns anleiten. Schnell wird aber auch deutlich: Ohne unsere Hilfe wird es nichts. Wir müssen mit anpacken und zusammenhelfen.

Und dann heißt es zum ersten Mal „Leinen los“.

Wie viele andere Jachten auch machen wir uns auf den Weg in unser ganz eigenes Segelabenteuer.
Die Kinder knüpfen schnell Kontakt. Drei Jungs und zwei Mädels im Alter von sechs bis elf Jahren sind an Bord. Gemeinsam halten sie Ausschau.

Als wir auf dem Meer sind, hissen wir die Segel. Gemeinsam natürlich. Und dann, plötzlich, eine erste Entdeckung. Die Kinder können ihr Glück kaum fassen (die Erwachsenen übrigens auch nicht), was sie da im Wasser zu sehen bekommen.

Die Bucht, die Helmut für den restlichen Tag und unsere Nacht auf dem Wasser mit uns ansteuert, gleicht einem Paradies. Versteckt. Entlegen...

...mit glasklarem Wasser. Jetzt ist kein Halten mehr. Alle packen in Windeseile Schnorchel und Flossen aus.

Und wagen die ersten Sprünge von Deck.

In dieser Bucht ankern wir, verbringen den restlichen Tag und bleiben über Nacht auf dem Wasser.

Während in der Küche die Erwachsenen das gemeinsame Abendessen vorbereiten, verwandeln sich die jüngsten Crewmitglieder in Piraten mit Tuch und Kompass. Helmut zeigt ihnen, wie Seefahrer Knoten machen.
Gemeinsam wird in der Kombüse gespeist. Jeder hat seine Aufgabe. Die einen kochen, die anderen spülen und so helfen jeden Tag alle zusammen.
Den nächsten Morgen starten wir mit einer Suchaktion. Ein Bikinioberteil, das zum Trocknen über der Reeling hing, ist über Nacht abgestürzt. Wir sehen es dank glasklarem Wasser auf dem Meeresgrund, doch es liegt in sechs Metern Tiefe. Schier unerreichbar für uns.

Die Männer packt der Ehrgeiz - angefeuert von der restlichen Besatzung. Sie tauchen und tauchen und tauchen bis Marcel das verlorene Teil schließlich aufgetaucht hat. So etwas wird uns nicht mehr passieren.

Auf die Kinder wartet schon das nächste Abenteuer. Eine Zeitung, ein Brief, ein Rätsel und schon stecken sie mitten in einer Schatzsuche, die die kleine Crew die ganze Woche beschäftigen wird.

Gemeinsam mit Helmut suchen die Kinder und lösen die Rätsel.

Weiter geht's. Auch die Kinder helfen mit, das Segel zu hissen.

Wir bewegen uns im Zick-zack-Kurs fort. Helmut nennt das in seiner Segelfachsprache kreuzen. Und wir lernen: Beim Segeln ist nicht immer der direkte Weg der schnellste Weg. Indem wir zickzack fahren, stehen unsere Segel immer gut im Wind und können so die meiste Energie daraus aufnehmen.

Auf so einem Segelschiff gibt es auch jede Menge Momente der Ruhe und Entspannung: Dasitzen, aufs Wasser schauen und einfach mal nichts tun. In der schnelllebigen Zeit haben wir das manchmal fast schon verlernt. Wir genießen es umso mehr.

Helmut behält den Kurs im Blick. Er will uns zu einer Bucht bringen, in der sich die Kinder austoben können.

Er hat nicht zu viel versprochen.

Den Plan, in einer Bucht zu übernachten, werfen wir über Bord. Wind ist gemeldet - da liegen wir im Hafen sicherer. Weil viele Segler diese Idee haben werden, steuern wir schon zeitig am Nachmittag den Hafen des Inselörtchens Veli Iž an und ergattern so einen Liegeplatz.

So haben wir noch etwas Zeit, durch das hübsche Örtchen zu flanieren. Neben Veli Iž gibt es nur noch ein weiteres Dorf auf der Insel Iž im Archipel von Zadar: Mali Iž. Beide liegen auf der Nordseite der Insel direkt an der Adria.
Endlich gibt es auch die heiß ersehnte Dusche im Hafen, denn an Bord können wir uns nach dem Schwimmen immer nur kurz abbrausen. Doch hier gilt wie an Bord: Wasser ist ein kostbares Gut und soll gespart werden. Es kommt mit dem Schiff vom Festland aus Zadar. Eine interessante Erfahrung für die Kinder, die das aus Deutschland nicht kennen.
Heute bleibt die Bordküche kalt - wir genießen lieber ein Abendessen auf der Insel in einer typisch kroatischen Konoba. Im Innenhof werden wie hier üblich Oktopus, Thunfisch und Cevapcici gegrillt.
Vorbereitungen für die Weiterfahrt: Helmut holt das Stromkabel und die Gangway ein.
Während ein Teil der Crew unten in der Kombüse Karten spielt...
...darf an Deck ein Kind das Steuer übernehmen.

Bis es so stürmisch wird, dass Helmut das Steuer besser wieder selbst in die Hand nimmt.

Die Kinder mit empfindlichen Magen nehmen eine Reisetablette ein. Ein Teil verschläft so die stürmische Überfahrt Richtung Telašćica Naturpark, der Rest schlägt sich tapfer. Seekrank wird trotz Schräglage, schnellem Kreuzen und mächtig aufgewühltem Meer keiner.

Erst mit dem Schutz vieler kleiner Inseln wird die Fahrt ruhiger...
...und wir machen in der Bucht Mir an einer Boje im Telašćica Naturpark fest. Die Stimmung an Bord ist etwas angespannt. Statt Regen wünschen sich alle Sonne und ein Bad im Meer. Den Ausflug in den Naturpark verschieben wir auf den nächsten Tag mit der Hoffnung auf besseres Wetter.

Das Warten hat sich gelohnt. Am nächsten Tag brechen wir früh auf und erreichen so die beliebte Naturpark-Insel noch vor den großen Touristenströmen. Helmut hat den Motor auf das Dingi - das kleine Beiboot - umgebaut. Mit ihm bringt er uns an Land. Die gute Sonnenscheinstimmung ist zurück.

Dort treffen wir Iva Aunedi. Sie ist Rangerin im Telašćica Naturpark und kümmert sich mit ihren Kollegen um den Naturschutz und die Eintrittsgebühren. Sie kennt sich hier bestens aus und weiß, warum es sich lohnt, den Naturpark zu schützen und zu besuchen.

Wir spazieren am Salzsee Mir entlang zum Steinmännchen-Meer.
So gut es uns hier gefällt - wir müssen weiter. Und wir wollen weiter, bevor die Touristen von den Ausflugsschiffen aus Zadar, Bibinje und Vodice diesen wunderbaren Fleck Erde bevölkern.
Die Landschaft ändert sich. Karge Inseln schmiegen sich aneinander. Wir durchsegeln die Kornaten. Sie gelten als der dichteste Archipel im Mittelmeer, der aus 140 Inseln, Inselchen und Felsen besteht und in Norddalmatien zwischen Zadar und Šibenik liegt. Der Kornati-Nationalpark mit seinen 89 Inseln ist unbewohnt. Und ein Segelparadies, wie wir von Helmut erfahren und an den vielen, vielen Segelschiffen selbst erkennen.
Land in Sicht. Über Nacht liegen wir wieder einmal im Hafen - diesmal von Sali auf der Insel Dugi Otok. Alle schwärmen aus, um den Ort zu erkunden. Für alle eine willkommene Abwechslung, ein paar gemeinsame Stunden nur mit der Familie zu genießen.

Am nächsten Tag will Helmut uns einen Ort zeigen, an dem man besonders schöne Sonnenuntergänge genießen kann: die Halbinsel Vrgada. Hier gibt es einen der in Kroatien eher seltenen Sandstrände.

Während die Kinder mit Buddeln und Bauen beschäftigt sind, genießen die Erwachsenen einen Drink bei Sonnenuntergang.

Kellnerin Lucija Katusin kommt jeden Sommer hierher, um Menschen aus der ganzen Welt in der Bar "Hakuna Matata" mit Drinks und Cocktails zu bedienen. Sie weiß, was den Reiz dieses besonderen Ortes ausmacht.

Nach einer etwas lauteren Nacht in der Bucht der Bar (neben uns liegt ein riesiger Katamaran mit Feiernden) machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Schatz. Helmut sucht mit uns die Bucht, die auf der Schatzkarte eingezeichnet ist. Ein Teil der Kids-Crew fährt mit dem SUP an Land, der andere Teil mit Helmut und dem Dingi.

War Helmuts Tipp richtig? Ist hier wirklich ein echter Piratenschatz versteckt? Die Kinder rätseln: Helmut konnte doch gar nicht den Schatz an Land versteckt haben - er war ja immer bei uns, bei seiner Crew. Die Spannung steigt.

Bevor wir zu unserem Ausgangspunkt zurücksegeln, müssen wir die Magic Dreams noch volltanken. Die Kinder verfolgen genau, wie Helmut das Segelboot an die Tankstelle steuert. Gerade einmal 30 bis 40 Liter Diesel haben wir während unserer Reise durch die Inselwelt der Kornaten verbraucht, und das zu elft. „Wir sind viel gesegelt“, kommentiert Helmut den Verbrauch stolz. Denn immer wieder sind uns während der Reise Boote begegnet, die das Segel nur zur Zierde dabeihatten und mit Motor gefahren sind.

ARCD-Reiseservice: Reisezeit: Im Hochsommer sind die Kornaten als Segelparadies sehr überfüllt. Ideal für eine Segelreise mit Kindern ist der Zeitraum Oster- oder Pfingstferien bzw. Spätsommer oder Herbstferien. Tipp: Wer mit Kindern eine Segelreise unternimmt, sollte darauf achten, dass die Kinder sicher schwimmen können. Infos und Buchung: - Der Anbieter für nachhaltigen Tourismus Renatour bietet einwöchige Segeltörns für Familien und Singles mit Kindern im Alter von 5 bis 13 Jahren oder für Familien und Singles mit Teenagern im Alter von 13 bis 17 Jahren, begleitet von einem Skipper von Mai bis Oktober in Kroatien an. Eine Woche ab 797 Euro p. P., weitere Infos: Renatour - Die Charteragentur Sailorama bietet einwöchige Segeltörns für Familien und Singles mit Kindern ab 5 Jahren oder mit Teenagern ab 13 Jahren an, begleitet von einem Skipper von Mai bis Oktober in Kroatien. Eine Woche ab 827 Euro p. P., weitere Infos: Sailorama

Fotos und Videos: Bettina Glaser